Ansicht des Wohnhauses vom Garten (Südwestseite)

 

 

 

Wohnhaus für einen Rechtsanwalt in Weiden bei Köln

 

 

Die Hongkskuhl  (Hundskuhle) außerhalb des historischen Weiden wurde seit Jahrhunderten erwähnt. Gleich neben den Gebäuden der Alten Post befand sich dieses langgestreckte, tiefergelegene Feuchtgebiet neben der Südseite der Aachener Straße. Heute wäre sie gegenüber der Evangelischen Kirche, dort wo sich nun das Rheincenter präsentiert.

 

Im Jahr 1951 war dieses Grundstück der Bauplatz für einen eigenwilligen Bungalow. Der eingeschossige Flachbau besaß eine Halle in der Mitte des Hauses, die im üblichen Sinne völlig fensterlos war. Um sie herum gruppierten sich alle Wohnräume, Küche und Bad. Die Belichtung erfolgte über die seitlichen Verglasungen eines nur zu diesem Zwecke gewölbten Daches über der Halle.   

 

 

 

 

Das frei stehende, von Garten umgebene Wohnhaus auf quadratischem Grundriss mit anliegendem Wohnzimmer wurde 20 m hinter die Bauflucht in die alte Hongkskuhl eingelassen. Dadurch wurden Lärm und Staub von der verkehrsreichen Straße abgehalten, zusätzlich wurden eine bequeme Zufahrt zur Garage und zwei Ausgänge aus dem Keller gewonnen. 

 

 

 

 

Das von dem Architekten Willi Kaiser entworfene Haus wurde in der Zeitschrift Bauen und Wohnen detaillierter beschrieben, als es heute mit allen bekannten Unterlagen möglich wäre. Um die Bedeutung des in seiner Zeit und in der Gemeinde außergewöhnlich modernen Baus zu würdigen, sei hier diese (namentlich nicht gezeichnete) Beschreibung im Wortlaut zitiert:

 

Der nur ebenerdige und ganz unterkellerte Bau ist aus Ziegelsteinen mit Klinkerverblendung ausgeführt. Im Keller sind außer der Garage Waschküche und Heizung mit Koksraum, Trocken- und Bügelraum sowie ein Vorratsraum untergebracht.

Die mit Solnhofer Platten belegte Treppe zum Erdgeschoß führt in einen Vorraum, von dem aus Küche, Halle, WC und das Mädchenzimmer zu betreten sind.

Die Wohn- und Schlafräume mit Bad und gedeckter Terrasse gruppieren sich um die mitten im Haus liegende Halle, die durch hochliegende Fenster gut belichtet und belüftet ist und deren Deck eine Stahlbetonkappe (7 x 4 m) von nur 6-cm-Dielen bildet. Sie ist zur Isolierung ebenso wie die anstoßende Stahlbetondecke mit einer 2 cm starken expandierten Korkschicht (in Bitumen) belegt und mit Zink abgedeckt, die Zimmerdecken mit zweilagiger Pappe. Das Dach neigt sich allseitig nach innen, die Entwässerung erfolgt an den Kaminen. Die Wände der Vorräume im Unter- und Erdgeschoß, im Treppenhaus und in der Halle sind als Halbsteinwände aus Klinkern gemauert und ebenso wie das Außenmauerwerk weiß gefugt. Der Bodenbelag dieser Räume besteht aus Solnhofer Platten, im Bad und WC aus Steinzeugplatten. Die geputzten Wände der Wohn- und Schlafräume sind hell gestrichen, die Böden mit Linoleum belegt.

Für die Oberlichter der Halle wurden Stahlfenster verwendet, alle übrigen Räume haben Fenster aus Holz. Die in Klinkerwänden sitzenden Türen sind aus Eichenholz, glatt abgesperrt und hell lasiert. Alle übrigen Türen erhielten farbigen Anstrich.

 

Der rote Stein, das gelbe Eichenholz und die grauen Solnhofer Platten ergeben einen kräftigen Farbklang, der das Rustikale dieses Hauses unterstreicht, in dem der aufgeschlossene und mutige Bauherr sich mit seiner Familie glücklich und geborgen fühlt.

 

 

Auf dem stark vergrößerten Ausschnitt einer Luftaufnahme von etwa 1964 erkennt man schön die Situation vor dem Bau des Rheincenters.

In der Bildmitte die evangelische Kirche, gegenüber alle später für den Bau des Rheincenters abgebrochenen Gebäude.

Neben der Aral-Tankstelle stand der Bungalow exakt auf der Höhe des heutigen Haupteingangs des Centers weit abseits der Aachener Straße.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Postkarte um 1964. Sammlung Uwe Griep

 

 

Das Haus wurde gegen den Willen der Eigentümerfamilie zum Bau des heutigen Rheincenters abgebrochen.

 

Aachener Straße (1)257

Baujahr: 1951

Bauherr: Dr. Christian Müller II, Rechtsanwalt

Architekt: Willi Kaiser

 

Zwar nicht belegt aber anzunehmen ist, dass es sich hierbei um jenen Kölner Architekten Willi Kaiser handelte, der 1932/33 für den Bau der lange Zeit fälschlicherweise Mies van der Rohe zugeschriebenen Villa Heusgen in Krefeld verantwortlich war. Jener Willi Kaiser, der zwischenzeitlich in Göteborg lebte, war Mitarbeiter von Mies van der Rohe und 1929 dessen künstlerischer Leiter beim Bau des Deutschen Pavillons in Barcelona gewesen.

 

Quellen und Literatur:

Bauen und Wohnen. Jahrgang 8, Heft 2/1953, S. 60-61 und Heft 3/1953 S. 95-96 (Konstruktionsblätter)

Bauakte

RP online vom 10. November 2011

Persönliche Informationen von RA Dr. Christian Müller III, Köln. Vielen herzlichen Dank!