Die Colonie kleiner Landhäuser in Weiden bei Köln

 

 

Der Bauboom seit der Jahrhundertwende hatte bereits mit der Erschließung des alten Feldweges zum Wohngebiet Bahnstraße das Ortsbild von Weiden grundlegend verändert. Den radikalsten Einschnitt in die historisch gewachsene Flur versprach allerdings ein im Frühjahr 1905 dem Gemeinderat vorgestelltes kühnes städtebauliches Projekt, in dem erstmals in der Geschichte der Gemeinde Lövenich ein neues Straßennetz angelegt werden sollte. Zwischen Alt- und Neuweiden, also zwischen der Aachener Straße (Chaussee nach Köln) und der Bahnstraße, sollte eine neue Kleinstadt entstehen mit Einfamilienhäusern, einer Allee, einem Marktplatz, Geschäftshäusern und einer Kirche: Die Colonie Kleiner Landhäuser in Weiden bei Köln des Kölner Architekturbüros Schreiterer & Below.

 

 

 

Der Architekt Emil Schreiterer wohnte seit dem Frühjahr 1899 mit seiner Familie im Rougemont-Sonoréschen Landhaus mit großem Park an der Aachener Straße und war auch Mitglied des Gemeinderats. Er hatte also gleichzeitig die Vorteile des Landlebens wie auch die Entwicklung des technischen Fortschritts in der Gemeinde immer vor Augen. Sicherlich reifte damit auch seine Idee, neue Bevölkerungsschichten in dem aufstrebenden Vorort mit seiner günstigen Verkehrslage anzusiedeln.

 

Sein Büro Schreiterer & Below in Köln zählte zu den bedeutendsten Architekturbüros im Deutschen Reich.

 

 

 

Der dargestellte Bebauungsplan von 1905 war sehr ausgereift: geplant waren etwa 390 Einfamilienhäuser, freistehend oder als Reihenhäuser, alle mit Vorgarten und Garten. Dazu eine Kirche und zwei größere Gebäude, möglicherweise ein Rathaus. An der Einfahrt zur noch nicht vorhandenen Goethestraße wirkt ein kleiner, von Bäumen flankierter Platz wie ein einladendes Entree in die Colonie.

 

Der Prospekt von 1905 beschreibt auch schön die gartenstadtartige Vorstellung Schreiterers vom Wohnen auf dem Lande in guter Luft nahe der Großstadt.

 

 

 

 

DIE COLONIE KLEINER LANDHÄUSER
WEIDEN B KOELN

 

Prospekt von 1905





Das Highlight des Prospekts - die ideale Darstellung der Colonie aus der Vogelperspektive in Farbe, signiert von Emil Schreiterer!

Im Vordergrund die bereits bebaute Nordseite der Bahnstraße, die einzelnen Häuser sind durchaus zu identifizieren. An der Stelle der Ludwig-Jahn-Straße war noch der bewaldete Fußweg entlang der Eisenbahn bis nach Müngersdorf, der auch nach Westen als Nachtigallenthal bis Königsdorf verlief.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Villenkolonie Weiden - Cöln"    Anzeige in einer Kölner Tageszeitung um 1912. Sammlung Uwe Griep

 

 

 

Goethestraße

 

 

LANDHAUS-KOLONIE "WEIDEN" BEI CÖLN.

 

Der Blick auf die mit Alleebäumen bepflanzte Goethestraße zeigt die 1909 fertiggestellten Wohnhäuser Nr. 30, 28 und 26. Der Fotograf stand auf dem Grundstück des im Herbst 1910 begonnenen Wohn- und Geschäftshauses Nr. 29, die Aufnahme dürfte von Frühjahr oder Sommer 1910 sein. Der Fußweg war eine Abkürzung zum Emil-Schreiterer-Platz, rechts die Mauer und die Silhouette von Nr. 25..

 

  

 

 

Postkarte, 1909 oder 1910, gelaufen (Briefmarke mit Poststempel entfernt). Walter Sürth G.m.b.H

Sammlung Uwe Griep

 

 

"Die KOLONIE WEIDEN liegt westlich von Cöln, 5 Kilom. vom Neumarkt entfernt. Ausgezeichnete Staatsbahnverbindung, in Kurzem elektr. Straßenbahn ohne Umsteigen. Einheitliche künstlerische Bebauung. Billige Preise. Fertige Häuser und Bauplätze."

 

Der Text auf der Rückseite weist die Karte eindeutig als eine Werbepostkarte der "Colonie kleiner Landhäuser in Weiden bei Cöln G.m.b.H." aus, von denen verschiedene Motive bekannt sind.  Die Entfernung vom Neumarkt bis zum Ort der Aufnahme beträgt tatsächlich 8,3 km, die Straßenbahn von Köln nach Weiden wurde erst 1912 eröffnet, "billig" waren die Preise der Häuser nur im Verhältnis zu Wohnhäusern in der Stadt Köln.

 

 

 

 

 

 

Das Ende der Göthestraße im Jahre 1910 mit den Eckhäusern Nr. 45 und rechts Nr. 13.    Aus dem Prospekt von Schreiterer & Below, Album Benninghoven

Ganz links, das zu dieser Zeit letzte Haus an der westlichen Straßenseite, war das Wohnhaus der Familie Benninghoven.

 

 

 

 

 

 

LANDHAUS-KOLONIE "WEIDEN" BEI CÖLN, GARTENSTADT.

 

Um 1912 erschien eine weitere Postkarte mit demselben Untertitel, allerdings jetzt mit dem Zusatz "Gartenstadt".

Sie zeigt die bis dahin fertiggestellte Ostseite der Goethestraße mit dem prunkvollen Wohn- und Geschäftshaus als Blickfang. 

 

 

 

 

 

 

 

Postkarte, um 1912. Privatbesitz.

 

Das bewachsene Grundstück mit dem Fußpfad (s. Karte oben) hatte jetzt als Garten eine hohe Mauer erhalten. Daneben stand auf dem neu geschaffenen Eckgrundstück zum neuen Marktplatz das große Wohn- und Geschäftshaus, das erste freistehende Haus der "Kolonie". Auch die nördliche Straße um den Marktplatz war angelegt. Bäume säumten die Goethestraße, den Marktplatz, sogar den Vorplatz des Geschäftshauses.

Das Haus war 1911 fertiggestellt, 1919 kaufte es der Metzgermeister J. Langen für ein Metzgereigeschäft. 

Die Schaufenster, der Eingang und die Innenaufteilung des Ladenlokals wurden mehrfach umgebaut. Die übrige Fassade des denkmalgeschützten Hauses wurde liebevoll restauriert und hält die Ideen der Architekten wach.

 

WEIDEN b. KÖLN    Blick vom Tunnel nach der Goethestraße

 

Diesen Blick von der ersten noch recht schmalen 1840 fertiggestellten Eisenbahnunterführung gab es seit 1912. Im August wurde die Straßenbahnverbindung von Köln bis zur abgebildeten Endstation am Lövenicher Bahnhof eröffnet, auch das Gebäude der Apotheke links daneben wurde in diesem Jahr fertiggestellt.

Das Wachstum der Alleebäume lässt allerdings auf eine Aufnahme von nach dem I. Weltkrieg vermuten.

 

 

Postkarte um 1920, gestempelt 1922.

Photolory Köln, Verlag Johann Josten, Weiden b. Köln. Sammlung Uwe Griep

 

 

 

 

 

 

Aachener Straße    Sanct Florian

 

Blauer Saal, Teilansicht des Café-Restaurant Sanct Florian, Weiden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Postkarte 1913, nicht gelaufen

Sammlung Uwe Griep

 

 

 

Zeichnung um 1912 (Signatur: Schreiterer & Below Architekten B.D.A. in der Handschrift von Emil Schreiterer).  Album Benninghoven