Die Namen der Wege und Straßen, gerade in Orten mit dörflicher Geschichte, erinnern oft an historische Gebäude und Höfe.
So tragen im südlichen Weiden auf ehemaliger Uesdorfer Flur gleich fünf kleine Straßen die Namen von historischen Gutshöfen, über die wir ganz unterschiedliches Wissen besitzen.
Von einigen Wegen im alten Kern von Lövenich wissen wir, dass sie bereits im späten Mittelalter existierten, weil die noch heute gebräuchlichen Wegenamen aus alten Schriften überliefert sind.
Die hier beschriebenen Straßen haben jedoch alle keinen historischen Ursprung, sie wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts angelegt. Sie zeigen auch nicht die Lage der verschwundenen Höfe an, sondern sind nur eine Erinnerung an sie. Ihre Namen erhielten sie mit dem Bau der ersten Wohnhäuser dort zu Beginn der 1960er Jahre.
Der Erkelenzhofweg wurde als kleine Seitenstraße von Am Rapohl als Wohnstraße um 1960 angelegt. Die Namensgebung mutet etwas willkürlich an. Als einziger der hier erwähnten Gutshöfe stand der Erkelenzhof nicht auf historisch Uesdorfer Flur sondern an der Aachener Straße im Bereich der Wohnhäuser neben dem Hotel Germania. Das Gebiet entlang der nördlichen Straßenseite war historisch Lövenicher Flur.
Die Familie Erkelenz ist die am längsten bekannte Bauernfamilie in unseren Dörfern. Bereits 1455 werden die Aecker des Johann Erkelens am Ryncwech (Rheinweg = Aachener Straße) erwähnt. Der Bauer Paulus Erkelentz hatte im Jahr 1722 Land von den Lövenicher Johannitern gepachtet. Das zuletzt erhaltene Hofgebäude wird 1766 erstmals erwähnt, es dürfte aber weit älter gewesen sein. In den ersten Jahren des 20. Jahrunderts hat die Familie Erkelenz den alten Hof verlassen, der danach nicht weiter landwirtschaftlich genutzt wurde. Die Gebäude wurden noch als Wohnhäuser genutzt, verfielen jedoch immer mehr und wurden für die Neubauten 1954 abgebrochen.
Der Erkelenzhof an der Aachenerstraße Ende 1943, das mittlerweile verputzte zweigeschossige Fachwerkgehöft dürfte schon im 17. Jahrhundert oder früher gestanden haben. Bei der ersten Hausnummerierung im frühen 19. Jahrhundert erhielt er die Hausnummer Weiden Nr. 35, zur Zeit der Aufnahme war es Aachenerstraße 234, heute hätte das Grundstück die Nr. 1232-1238.
Straßen- und Rückansicht. Fotos: Gerhard Sachsse, Bonn.
Am Engelshof war ursprünglich der Zufahrtsweg für die Neubauten auf dem Hinterland von Gertrudisstr. 1a und anschließend Feldweg bis zum ehemaligen
Beller Weg. Bis zum Bau des Hauses Nr. 1 verlief er über dessen Grundstück und mündete rechtwinklig in die Gertrudisstraße gegenüber von Nr. 4a-b.
Wenn auch in Sichtweite zum einstigen Engelshof gelegen, markiert er stattdessen die Grundstücksgrenzen zweier anderer ehemaliger Gutshöfe, die bereits im Laufe des
19. Jahrhunderts untergegangen waren. Auf den Nachbargrundstücken Gertudisstraße 1b-7 und Am Engelshof 1/ Potsdamer Str. 19-23 standen seit dem Mittelalter jeweils Gutshöfe von
ähnlicher Größe aber mit weniger Landbesitz. Einer von ihnen war sicherlich der später erwähnte Kapellenhof.
Der Engelshof stand auf dem Grundstück der Häuser Schulstraße 53-61, die Baumpflanzung vor den Häusern ist noch erhalten, ebenso die einstige Hofkapelle St. Stephanus an der Freiburger Straße. Der heute übliche Hofname ist wie so oft in seiner historischen Benutzung mit Vorsicht zu sehen. Er ist nach einem späten Pächter benannt. Ein Pachtbuch des Junkersdorfer Gutsbesitzers Boden von 1777 enthält den einzigen Hinweis auf den Engelshalfen fohr von Üsdorff, der bis zuletzt Namensgeber geblieben ist. In der auf französisch verfassten Besitztümerauflistung von 1802 wird une ferme dite Engelshoff (ein Pachthof genannt Engelshof) aufgeführt, die einzige bekannte Erwähnung dieses Hofnamens. Das Anwesen mit großem Landbesitz war im Mittelalter im Besitz des sehr wohlhabenden Landadels gewesen, 1375 werden die Frauen von Vercken aus Kerpen genannt. 1407 erwarb das Kölner Stift St. Maria ad Gradus den Besitz, der Hof wurde bis zur Säkularisation verpachtet. Noch 1581 wird er Hof Vercken genannt. Der letzte Backsteinbau wurde 1767 vom Pächter Heinrich Peter Jungen errichtet, der während der französischen Besetzung für kurze Zeit als Präsident der Municipalverwaltung Weiden-Uesdorf fungierte. Sein dort geborener Sohn Heinrich Jungen kaufte den Hof vom Preussischen Staat 1823, er war damals Bürgermeister von Pulheim. Von 1826-41 leitete er als Bürgermeister der Gemeinde Lövenich von hier aus die Amtsgeschäfte. Um 1920 erwarb der Bergwerksbesitzer Victor Rolff den Engelshof und seine bis nach Junkersdorf reichende Ländereien, auf denen seit den 1970er Jahren das Wohngebiet Weiden-Süd entstehen sollte. Auf dem Gartenland des Hofs ließ Rolff 1950 seine Villa Haus zu den Vier Winden errichten. Der Engelshof wurde im Februar 1970 abgebrochen.
Der Wickratherhofweg wurde wie auch der parallel verlaufende Grüne Weg im Rahmen einer Flurbereinigung in den 1920er Jahren als Feldweg neu
erschlossen und seit den 1960er Jahren mit Wohnhäusern bebaut. Er führte ursprünglich von Am Rapohl bis an die Gärten der Schulstraße, endet aber seit der Verlängerung des Frechener Wegs 1937
dort. Ein bemerkenswertes Bauwerk seiner Zeit ist der 1968/68 errichtete und 2010 profanierte Kirchenbau der Neuapostolische Kirche (Nr. 22).
Das Dorf Uesdorf im Jahr 1818, eigene Umzeichnung der Urkatasterkarte Samtgemeinde Lövenich Sektion G 1:2500 mit allen vorhandenen Gebäuden. Alle Grundstücke sind mit Hecken eingefriedet. Die Straßennamen sind die aktuellen Bezeichnungen und nur zur Orientierung eingefügt! Offizielle Wegenamen gab es nicht. Die Potsdamer Straße war der Beller Weg, Ostlandstraße der Grüne Weg, Schulstraße die Straße von Weiden nach Uesdorf. Auch die Zahlen dienen nur der Beschreibung, obwohl der Engelshof tatsächlich als Uesdorf Nr. 1 bezeichnet wurde.
Nr. 1 im Winkel von Schulstraße und Gertrudisstraße war der Engelshof. Das Wohnhaus stand an der Straße hinter den Bäumen, dort war auch der Eingang. Die Hofzufahrt war jedoch an der Rückseite über den Beller Weg, die Zeichnung zeigt den Neubau von 1767. An der Rückseite der Wirtschaftsgebäude war der große Pfuhl, im hinteren Gartenbereich die Stephanuskapelle (1a), heute an der Freiburger Straße.
Nr. 2 und 3 waren zwei große Gutshöfe, die sicher seit mittelalterlicher Zeit existierten. Beide Fachwerkhöfe hatten ihre Zufahrten an der Straße und wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts niedergelegt, ihre Geschichten sind nicht bekannt. Ganz sicher war einer der beiden Höfe schon 1375 im Besitz des Augustinerinnenklosters in Merten gewesen und bis zur Säkularisation in ihrem Besitz geblieben. Er galt bei der französischen Versteigerung 1802 mit seinen großen Ländereien als wertvollster Besitz in Uesdorf! Der andere Hof wahr vermutlich nicht in geistlichem Besitz gewesen und könnte der später noch erwähnte Kapellenhof gewesen sein. Zur ersten Einwohnerzählung 1855 waren beide Höfe nicht mehr vorhanden.
Genau zwischen den einstigen Gutshöfen verläuft heute die Straße Am Engelshof.
Nr. 4 war das ausgedehnte Anwesen des Wickratherhofs, dessen Wirtschaftsgebäude weit über den heutigen Frechener Weg hinaus standen.
--- in Arbeit --- Baustelle --- sorry ---
Der Wickratherhofweg liegt abseits des ehemaligen Hofs am Frechener Weg / Gertrudisstraße und seiner Grundstücke. Am Clarenhof war immer durch die Grundstücke an der Schulstraße und der Schule vom einstigen Clarenhof getrennt. Auf dem benachbarten Grundstück stand dagegen jener Hof, der vorübergehend Kapellenhof genannt wurde. Der Name hatte nichts mit der Kapelle des Engelshof zu tun. Der Bereich des Kapellenhofwegs war historisch immer unbebaut.
Die geschwungene Straße zwischen Frechener Weg und Am Rapohl ist kein historischer Weg. Um so historischer ist allerdings der Name.
Grüner Weg gehört zu den ältesten überlieferten Wegenamen in unseren Dörfern überhaupt. Schon seit dem Mittelalter berichten die Quellen von einem historischen Weg mit diesem Namen, dessen Bedeutung und Herkunft unbekannt sind. Vielleicht hatte sich hier eine mittlerweile bewachsene, noch weitaus ältere Straße befunden. Man kann sich einen dauerhaft mit Gras bewachsenen Feldweg vorstellen.
Als einen begrünten Feldweg kann man sich den historischen Grünen Weg vorstellen
Foto: Uwe Griep, 2021.
Schon im Jahr 1330 erwarb das Stift St. Gereon die zu einem Junkersdorfer Gutshof gehörigen Ländereien am gruenen Wege auf Osterpe zu (apud viam viridem versus Osterpe). In der ältesten bekannten Landbeschreibung von Uesdorf aus dem Jahr 1375 erwähnen die Lövenicher Johanniter ihren Landbesitz an den gruenen weeg den man zu Cölln gehet.
Der Grüne Weg war ein weitgehend geradlinig verlaufender Feldweg von Uesdorf nach Junkersdorf, einige leichte Biegungen wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts begradigt. Nördlich des ehemaligen Engelshofs mündete in den unbefestigten pfuhlartigen Kreuzungsbereich an der späteren Schulstraße ein Feldweg, der Grüne Weg. Dieser verlief dann parallel zur Aachener Straße bis zu einer ebenfalls unbefestigten Kreuzung am Vogelsanger Weg, von dort geradeaus weiter über den Kirchweg hinweg und mündete im einstigen Hahnenweg am Rande des Creutzfelds.
Ein Weg in so kurzem Abstand parallel zur alten Landstraße, das mutet beim Nachdenken etwas seltsam an. Er war die direkte Verbindung zwischen den beiden Dörfern. Aber warum ging man diesen Weg nach Köln? War die Aachener Straße in fränkischer Zeit nicht gepflegt? War sie unsicher? Bedenkt man, dass im Bereich Am Rapohl und Am Fronhof in Junkersdorf vorrömische Siedlungen waren, ist auch eine sehr viel ältere Wegeverbindung zwischen den dortigen Siedlungen denkbar.
Der Bereich östlich des Vogelsangerwegs wurde seit der Besiedlung des Kirchwegs zu Beginn des 20. Jahrhunderts teilweise eingeebnet bzw. nicht mehr genutzt. Nach 1950 wurde der alte Weg in mehreren Bauabschnitten zur Verkehrsstraße ausgebaut und mit Wohnhäusern erschlossen.
Auf der historischen Wegeführung befinden sich heute Ostlandstraße, Diepenbeekallee, Eifelallee und Blumenallee bis zum Straßenknick.
Bereits 1935 hatte Amtsbaumeister Baur entlang des Wegs einen Grünzug von Junkersdorf nach Weiden geplant, der im Junkersdorfer Bereich - Blumenallee und Eifelallee - und entlang der Diepenbeekallee auch nach 1950 als Fußgängerallee verwirklicht, aber schließlich durch den Bau der Autobahn unterbrochen wurde.
Die heutige Straße gleichen Namens ist eine neuzeitliche Verlängerung, aber kein Teilstück des historischen Wegs. Erst um 1925 wurde in Uesdorf während einer Flurbereinigung ein neues Feldwegenetz angelegt, dabei entstand auch diese westliche Verlängerung des alten Grünen Wegs über die Schulstraße hinweg bis zum Feldweg Am Rapohl, der Frechener Weg war noch nicht vorhanden. Dieser neue Feldweg wurde ab 1950 bebaut, zuerst im Bereich Am Kliepesch und seit den 1960er Jahren mit Einfamilienhäusern im damals ausgebauten jetzigen Grünen Weg.
Auch an diesen beiden neuangelegten Straßen wurde sofort eine Fußgängerallee mit japanischen Kirschen bepflanzt.
Der Name Am Kliepesch weist auf einen alten Flurnamen oder auch auf den Gartenbereich des alten Wickratherhofs hin.
Er war der größte der einstigen Uesdorfer Gutshöfe, die letzten erhaltenen Gebäude, Fachwerkgiebelwand und Türmchen stehen an der Ecke Frechener Weg/Gertrudisstraße. Das einstige Wohnhaus erstreckte sich über den neuzeitlichen Frechener Weg hinweg, wurde im Rahmen des Neubaus des Gehöfts 1893 gekürzt, aus alten Hölzern des alten Fachwerkhauses wurde die Fachwerkgiebelwand vorgeblendet.
Als Pesch bezeichnete man eine eingezäunte, ertragreiche Wiese beim Haus oder eine mit Weidengebüsch bestandene Wiese, hier offensichtlich eine Kleewiese (Klie). Die von Hecken umzäunten Parzellen der hofnahen Gärten und Felder des Gehöfts erstreckten sich zwar noch weiter nordwärts (Richtung Aachener Straße), eine alte Hecke stand aber schon im 18. Jahrhundert im Bereich der heutigen südlichen Straßenseite. Auch die einzelne alte Eiche inmitten der weitaus jüngeren Zierkirschenallee zeigt diese Grenze heute noch an!
In den 1920er Jahren wurde auf der damaligen Restparzelle des Hauses Schulstraße 42, einem Grundstück des Weidener Bauern Adolf Batzen, ein neuer Feldweg bis zum alten Weg Am Rapohl angelegt, der seit 1937 durch den verlängerten Frechener Weg geteilt wird. An diesem unbebauten Weg wurden 1949/50 hölzerne Behelfshäuser für Kriegsgeschädigte und -flüchtlinge errichtet, 1953 wurde der Straßenname Am Kliepesch festgelegt. Erst im Zuge der Neubebauung mit Einfamilienhäusern und den Verkehrsströmen des neuen Weiden-Süd in den 1970er Jahren wurde der Weg befestigt und zur Verkehrsstraße ausgebaut.
Die Vinzenzallee, ursprünglich Vincenzallee, erinnert an den einstigen Gutsbesitzer des benachbarten Odemshof, Vincenz Krosch (1806 - 20.12.1878).
1853 heiratete er Maria Elisabeth Lemper aus Stommeln. Spätestens 1855 war Vincenz Krosch der Pächter des Odemshofs, er kaufte ihn im Verlauf der nächsten Jahre, vermutlich im Jahr 1861. Krosch war von 1856 bis zu seinem Tod 1878 Mitglied des Lövenicher Gemeinderats. Das Hofkreuz von 1862 an der ehemaligen Hofeinfahrt war eine Stiftung des Ehepaares Krosch/Lemper. Hier stand im 19. Jahrhundert der erste Segensaltar entlang der Lövenicher Fronleichnamsprozession.
Die beiden hinterließen noch weitere Spuren im Lövenicher Ortsbild. So legte Vincenz Krosch nach dem Erwerb des Hofs einen neuen Weg in dessen Nähe an, den heutigen Heckenweg. Er war Zugang zum einzigen Gebäude dort, dem Verwalterhaus.
Nach seinem Tod gab Elisabeth Krosch mehrere Schenkungen an die Gemeinde zugunsten der Armen, noch 1888 spendete sie 1500 Mark für Bekleidung und Lernmittel mittelloser Schüler. Bereits 1863 hatte sie 6000 Mark für einen Hospitalsfond geschenkt, den die Gemeinde 1913 aufstockte und nach dem Ersten Weltkrieg zur Einrichtung eines Altersheims nutzte.
Seit 1878 war ihre Tochter Maria mit Carl Kaulen verheiratet, der später Eigentümer des Hofs wurde. Kaulen, in der Chronik von Obermanns/Clemens (1956) als ein Edelmann von vornehmer Gesinnung und Denkungsart bezeichnet, gehörte jahrzehntelang zu den führenden Persönlichkeiten im öffentlichen Leben der Gemeinde und im Gemeinderat, wo er als Beigeordneter der Vertreter des Bürgermeisters war. Carl Kaulen (22.4.1851-28.8.1925) kam aus Mönchengladbach, war seit 1889 Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Raiffeisenbank, Gründer und Vorsteher der Lövenicher Spar- und Darlehenskasse und stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands. Als Mitglied des preußischen Landtags häufig in Berlin unterwegs, hatte Kaulen sicherlich ein weitaus globaleres und erfahreneres Weltbild als die meisten Lövenicher Gemeinderatsmitglieder (Bürgermeister Nolden war der Sohn eines Weidener Stellmachers mit einer Ausbildung zum Bürgermeistergehilfen).
Im Jahr 1902, der Bauboom entlang der Bahnstraße zeichnete sich gerade ab, plante Kaulen auf seinem Grundstück neben dem Hof die Anlage einer neuen Straße. Es war die erste jemals zum Bebauen angelegte neue Straße überhaupt auf den Fluren der Gemeinde ohne einen historischen Ursprung!
Sein Gesuch wurde vom Gemeinderat am 17. Juli 1902 genehmigt. Die Straßenbreite sollte ursprünglich 12m betragen, sie wurde schließlich auf 11m reduziert, davon 4m als Bürgersteige. Kaulen erhielt eine Reihe von Auflagen, u.a. mussten Laternen auf gusseisernen Kandelabern im Abstand von 60m am Rand der Bürgersteige aufgestellt werden. Die ganze Straße sollte bis 1912 fertiggestellt und von der Gemeinde übernommen werden, bis dahin war Kaulen für ihre Unterhaltung zuständig. Sie wurde als beidseitig bepflanzte Allee angelegt. In der Gemeinderatssitzung vom 20. Dezember 1902 wurde auch der Name der neuem Straße beschlossen, sie wurde nach Kaulens Schwiegervater Vincenzallee benannt (damals noch mit einem c im Namen!).
Kaulen verfolgte die sehr optimistische Idee eines attraktiven Bauplatzes für anspruchsvolle Villen in der Nachbarschaft zu seinem Hof. Allerdings wurden in den folgenden Jahren nur drei Villen realisiert, zwei davon an der Brauweilerstraße. Alle Bauherren waren gute Bekannte: Bauherr der Villa auf dem Eckgrundstück (später Brauweilerstr. 12, 1905, nicht mehr vorhanden) war der Geheime Sanitätsrat Dr. med. Heinrich Clementz, der alleinige Kassenarzt der Gemeindekrankenversicherung. Die benachbarte Villa Felten (Nr. 14, 1904) baute der Besitzer des Keuschhofs, Fritz Felten. Auch der erste Bau an der neuen Straße selbst (Nr.4, 1904-05) des Lövenicher Lehrers und späteren Schuldirektors Sterckel bedeutete noch nicht den Beginn der geplanten Erschließung.
Kaulen und dem Architekten mag die gleichzeitig im aufblühenden Vorort Marienburg von dem Architekten Eduard Endler geplante und 1903 publizierte Häusergruppe an Eugen-Langen Straße und Godesberger Straße bekannt gewesen sein. Der Entwurf der Villa Sterckel wirkt wie eine in den Maßen auf ein dörfliches Format reduzierte Kopie der Villa Godesberger Str. 10. Die Villenallee blieb jedoch eine Idee.
Erst nach fast zehn Jahren wurden jenseits der Odemshofallee das Haus Käthe (Nr.11, um 1912, benannt nach der Mutter von Willy Millowitsch) und Nr. 13 vom Fabrikanten Laubach errichtet, 1922-24 die Villa Nr.14 vom Frechener Betriebsdirektor Faßbender. Die Villen Nr.4, Nr.13 und Nr. 14 sind heute denkmalgeschützt. Erst seit den 1950er Jahren wurde die Straße überwiegend mit Einfamilienhäusern vollständig bebaut.
Carl Kaulen selbst wurde im Jahr seines Todes die historische „Dorfstraße“ gewidmet, sie trägt seit 1925 den Namen Karl-Kaulen-Straße (Kaulen selbst schrieb seinen Vornamen Carl !)
Der Bereich zwischen Braugasse und Schafgasse gehört zu den ältesten bebauten Gassen des alten Dorfes Lövenich. Die Karte von 1818 zeigt einen nur wenige Meter breiten, von Hecken begrenzten Weg, es gab genau fünf kleine Anwesen. Der Weg war am schlimmsten vom Lövenicher Hochwasser betroffen und daher oftmals kaum passierbar.
Im Jahr 1908 antwortete Bürgermeister Nolden dem Landrat Minten auf die Frage nach dem Zustand der Lövenicher Dorfstraße im Jahr 1875:
Die Dorfstraße in Lövenich hatte den Anforderungen nicht entsprochen…, welche im allgemeinen an die Ortsstraßen der Bürgermeisterei gestellt wurden, da die Dorfstraße zur Zeit teilweise Feldweg teilweise Fußpfad war. Auch war sie im Gegensatz zu den übrigen Straßen nur teilweise mit Kies bedeckt. Sie war teilweise bebaut, was mangels eines Bauverbots nicht zu verhindern war. Einen Anspruch auf eine Straße im Sinne des Gesetzes vom 2. Juli 1875 konnte sie nicht erheben, da dieselbe zeitweise nicht zu passieren war, sich in einem ganz miserablen Zustande befand, keine Entwässerung hatte und auch eine Bestimmung über die Höhenlage derselben nicht getroffen war. Die Straße hatte soweit als Ortsstraße gedient, als die Bewohner derselben genötigt waren, sich derselben im Verkehr zu bedienen.
Erst die ersehnte Befestigung der Straße zu Beginn des 20. Jahrhunderts zog viele auswärtige Handwerker und Arbeiter an, in wenigen Jahren war die Straße dicht bebaut. Neben den meist eingeschossigen Wohnhäusern mit gelb verzierten Backsteinfassaden entstanden an den Eckgrundstücken zu den Seitengassen auch eine Reihe zweigeschossiger Eckhäuser, vielfach mit Ladenlokalen.