Villa Maria von Franz Schmitz-Rey

 

 

Villa Maria, Straßenansicht, um 1925. Foto: Georg Rösler. Der Kölner Fotograf  Georg Rösler wohnte zur Zeit der Aufnahme in der Villa. Das originale Foto befindet sich im Album Benninghoven im Archiv des Kreishauses Bergheim.

 

 

Die Verlegung der Wasserleitung durch das Frechener Wasserwerk im Jahr 1899 bescherte dem Dorf Weiden sofort einen Bauboom außerhalb der jahrhundertealten Bebauung. Nun konnten Neubauten von Wohnhäusern auf jedem Grundstück errichtet werden, die Nähe zu einem Brunnen war nicht mehr von Bedeutung. Der historische Brunnen lag an der Aachener Straße im Bereich der Schulstraße, erst vor wenigen Jahrzehnten waren zwei private Brunnen an der Severinusstraße (heute Selma-Lagerlöf-Straße) und der Römerstraße hinzugekommen. Die freien Felder ohne bebaute Nachbarschaft waren natürlich auch für wohlhabende Bauherren von außerhalb als Bauland sehr interessant. Noch im selben Jahr enstand an der Südseite der Aachener Straße, gleich gegenüber der Römerstraße, das seinerzeit herausragendste Gebäude in Weiden, die Villa Maria.

 

Das 9.500 m² große Grundstück, das sich bis an den heutigen Stettiner Weg erstreckte, gehörte dem Brauerei- und Gutsbesitzer Franz Schmitz-Rey aus Müngersdorf. Der Familie Schmitz gehörte die Müngersdorfer Brauerei an der Aachener Straße nahe dem Militärring.

Am 14.3.1899 beantragte der Bauherr eine Grabenbrücke über den dortigen Wassergraben auf sein Grundstück. Im Anschluss ließ er sich eine Villa fast 30m von der Straße entfernt von einem unbekannten Architekten errichten. Diese bevorzugte Lage an der noch gänzlich unbebauten südlichen Straßenseite weit außerhalb des alten Dorfes unterstreicht den Repräsentationswillen des Bauherrn. Er war jung verheiratet und benannte sein neues Domizil nach seiner Ehefrau Villa Maria.

Die großvolumige, verwinkelte Villa auf einem annähernd quadratischen Grundriss hatte zwei hohe Geschosse, das steile, ebenfalls verwinkelte Walmdach hatte zusätzlich Gauben auf zwei Ebenen, zur Straße hin war ein quadratischer Turm mit steilem, spitzen Dach.

 

Die von der deutschen Renaissance beeinflusste Gestaltung war von der großzügigen Verwendung und der Kombination regionaler Baumaterialien bestimmt. Gelber Backstein dominierte die Außenwände, das traditionelle einheimische Fachwerk an Giebel, Turm und Seitenwand verkörperte zugleich den damaligen Bautyp des "Landhauses". Das reiche, im Detail aufwändig gestaltete Sprengwerk vermittelt zudem einen hohen handwerklichen und künstlerischen Umgang mit dem Material Holz.

Ein Grundrissplan ist leider nicht erhalten. Der hohe, den Eindruck des Schwebenden vermittelnde Keller weist auf die dortigen Wirtschaftsräume hin und erlaubte eine einladend breite, nach unten ausschwingende Freitreppe. Der kunstvoll gestaltete hölzerne Vorbau trägt einen überdachten Balkon und hatte bleiverglaste Seitenwände. 

 

Ein lang gestrecktes Gebäude mit den maßen 20x5 m an der westlichen Grundstücksgrenze war vermutlich der Pferdestall. Neben der Villa befand sich zudem eine nur 16 m² große Remise. Der große Garten war dicht mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt, im südlichen Gartenbereich stand eine polygonale Laube.

Zur Straße hin war das Grundstück beiderseits des 4 m breiten Eisentores jeweils mit einem 30 m langen Eisengitter zwischen gelben Backsteinpfeilern eingefriedet. 

Im Frühjahr 1907 ließ Schmitz-Rey eine 3,50 m hohe Gartenmauer entlang der 140 m langen westlichen Grundstücksgrenze errichten. Im gleichen Jahr baute das Frechener Elektrizitäts- und Wasserwerk ein rechteckiges hölzernes Transformatorenhaus in Fachwerkkonstruktion mit Puldach und einer rückwärtigen Brandmauer an die westliche Grundstücksgrenze, es stand eben dem noch erhaltenen Nachfolgebau. 

 

Nach dem II. Weltkrieg besetzte die belgische Verwaltung die Villa und nutze sie bis zum Neubau der belgischen Schule in Junkersdorf als Schule für die Kinder der belgischen Soldaten.

 

Die Villa Maria wurde 1961 von der Berliner Agrippina Lebensversicherung erworben und kurz darauf zum Neubau des dreigeschossigen Wohn- und Geschäftskomplexes Nr. 1189a-1193a abgebrochen, das 2000 seitlich noch erweitert wurde. 

 

 

Villa Maria           Schmitz-Rey        Postkarte, um 1910. Privatbesitz.

 

 

 

 

Aachener Straße (1)191   

Villa Maria

Baujahr: 1899 

Bauherr: Franz Schmitz-Rey, Brauerei- und Gutsbesitzer aus Müngersdorf

Architekt: unbekannt

abgebrochen 1961