Ein Wasserwerk in Weiden, das ein Hotel wurde

 

 

 Das sogenannte Wasserwerk , Südseite. Repro aus einer Kölner Tageszeitung 1929, Album Benninghoven.

 

Ein "Wasserwerk", was auch immer man sich darunter vorstellen könnte, hat es in Weiden natürlich nie gegeben. Die innerhalb der Gemeinde als sog. Wasserwerk bezeichnete Anlage war eine Pumpstation zur Unterstützung der aus Frechen hergeleiteten Wasserversorgung.

 

Im Jahre 1899 hatte das Frechener Elektrizitäts- und Wasserwerk damit begonnen, die Gemeinde Lövenich mit einer zentralen Wasserleitung zu erschließen und zu versorgen. Die Möglichkeit, nun auf jedem beliebigen Grundstück einen Wasseranschluß zu verlegen und nicht mehr von der Erreichbarkeit der wenigen vorhandenen Brunnen abhängig zu sein, hatte sofort den anhaltenden Bauboom (Bahnstraße, Kirchweg, Schulstraße) zur Folge.

 

Weil die Brunnen des Frechener Werks für die Trinkwasserversorgung der wachsenden Bevölkerung in der Gemeinde nicht mehr ausreichten, wurde nach dem Ende des Ersten Weltkrieges zur Unterstützung eine zusätzliche Trinkwasser-Pumpstation errichtet, die in Gemeindeberichten üblicherweise als sog. Wasserwerk bezeichnet wurde.

 

Der dekorativ gestaltete Backsteinbau mit hohem Walmdach und seitlichen Anbauten stand weit abseits der Aachener Straße auf einem bis zur Hölderlinstraße reichenden, noch völlig unbebauten Grundstück (etwa an der Stelle der heutigen Häuser Mörikestraße 5-7), seit 1930 mit einem Zugang von der neuen Körnerstraße aus.

Bauherrin der neuen Pumpstation war die Britische Besatzungsbehörde, die 1919 die sofortige Anlage eines größeren Brunnens in Weiden angeordnet hatte. Das Grundstück mit einer Kirschbaumplantage (etwa zwischen der jetzigen Autobahn und der ebenfalls noch nicht vorhandenen Körnerstraße) aus dem Besitz der Lövenicher Gutsbesitzerfamilie Zaun wurde als geeignet angesehen.

Bereits vor dessen Enteignung wurde mit den Arbeiten an dem mit hohen Kosten veranschlagten Bau begonnen. Nach dem baldigen Abzug der britischen Besatzung wollte die Gemeinde selbst Eigentümerin des Werkes werden, das nun in Reichsbeitz übergegangen war. 1920 erklärte sich der Gemeinderat zum Kauf des sog. Wasserwerks und des Grundstücks grundsätzlich einverstanden, der Kaufpreis für das Werk sollte 80.000 Mark nicht überschreiten. Die Gemeinde handelte geschickt und erwarb zügig das fünf Morgen große Grundstück von Frl. Zaun für 150.000 Mark, das Gebäude allein war nun für das Reich uninteressant geworden. Es folgten lange Verhandlungen mit dem Reich über den Kauf des Brunnens, 1921 war sogar ein Enteignungsverfahren eingeleitet worden. Schließlich musste das Reich den Brunnen1921 zu dem für die Gemeinde günstigen Kaufpreis von 80.000 Mark abgeben, er wurde daraufhin an das Frechener Wasserwerk verpachtet. Mit dem Frechener Werk befand sich die Gemeinde seit dem Sommer 1919 in einem mehrjährigen Rechtsstreit wegen Nichterfüllung des abgeschlossenen Vertrages, zu dem aber nichts Genaues mitgeteilt wird.

Für das sog. Wasserwerk schloss die Gemeinde mit der Elektrizitäts- und Wasserwerk Frechen G.m.b.H. am 22. September 1923 einen bis zum 31.12.1930 laufenden Pachtvertrag ab, der dann nicht verlängert wurde. Der Betrieb der Pumpe endete aber vermutlich bereits Mitte 1928, denn sie war für das Frechener Werk nach der Errichtung eines aus Erfttalquellen gespeisten Großbehälters in Knapsack entbehrlich geworden. Trotzdem erhielten die anliegenden Bauherren der Aachener- und Körnerstraße in den folgenden Jahren zum Schutze des Grundwassers strenge Auflagen hinsichtlich ihrer Entwässerungsanlagen. Amtsbaumeister Baur beabsichtigte sogar, den stillgelegten Brunnen später für Badezwecke zu nutzen. Der Gemeinderat beschied 1933 endgültig, das Wasserwerk nicht mehr in Betrieb zu nehmen. Seit 1934 parzellierte die Gemeinde den westlichen Streifen des Grundstücks und verkaufte die Parzellen als Baugrundstücke für die Ostseite der neuen Körnerstraße.

 

Im Frühjahr 1940 hatte Josef Jungbluth das ungenutzte Pumpenhaus von der Gemeinde erworben. Er stellte den Antrag, das Gebäude zu einem Zweifamilienwohnhaus umbauen zu lassen, der Entwurf dazu stammte von seinem Schwiegervater, dem Bauunternehmer Heinrich Schaaf. Über dem Brunnenschacht und über dem Erdgeschoß sollten Betondecken eingezogen, das bestehende Walmdach durch ein Satteldach ersetzt und ausgebaut und die Fassaden weiß geschlämmt werden. Der Bauantrag wurde am 19.12.1940 genehmigt, weil die Materialien vorhanden waren. Verwirklicht wurde der Umbau 1941 nur eingeschossig (Bauunternehmer war Gottfried Nolden aus Uesdorf). Erst 1950 wurde das Haus aufgestockt und vollendet (Architekt: Leo Ommer), in den folgenden Jahren wurde es erweitert und als Hotel Jungbluth genutzt, der tiefe Keller diente als Weinlager.

 

 

Hotel - Restaurant  Jungbluth

5022 Köln/Junkersdorf,  Körnerstraße  2

Telefon  Frechen (02234)  75139

 

 

Tatsächlich wird in Tageszeitungen aus den 1930er Jahren von einem Streit zwischen den Dörfern Weiden und Junkersdorf über die Zugehörigkeit des sog. Wasserwerks berichtet.

Zwar wurde die Körnerstraße in Weiden angelegt, die Zugehörigkeit des unbebauten Bereichs östlich davon, hier waren Obstplantagen und zeitweise große Tulpenfelder, war aber vor dem Autobahnbau nicht eindeutig definiert.

Die Frechener Telefonvorwahl hatten nur die Weidener Anschlüsse erhalten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Postkarte, 1950er Jahre

Sammlung Uwe Griep

 

Ende der 1970er Jahre wurde das Gebäude niedergelegt, die Constracta Bau GmbH bebaute das verbliebene Grundstück des ehemaligen sogenannten Wasserwerks 1979/80 mit 13 Einfamilienhäusern, Mörikestraße (sie hieß ursprünglich Uhlandstraße) Nr. 1-7, 9-17 und 19-25 (Architekt: Hans J. Kohlmorgen).

 

Pumpstation für das Elektrizitäts- und Wasserwerk Frechen

Baujahr: 1919

Bauherr: Britische Besatzungsbehörde

1940 Umbau zum Wohnhaus, 1950 zum Hotel

um 1979 abgebrochen