Albert - Schweitzer - Schule (1953/54)
Die Entwurfszeichnung von Gemeindebaumeister Finck vom Januar 1953 ist die älteste bekannte Darstellung des Schulgebäudes, wie es sich die Gemeinde vorgestellt hatte. Die beiden Gebäudetypen wurden später ausgetauscht. Die Unterschiede in den Fensteranordnungen zu den fertigen Gebäuden zeigt auch eine Veränderung der Innenraumplanung, oder diese war hier noch gar nicht ausgearbeitet.
Entwurfszeichnung Gemeindebaumeister Finck, 22. Januar 1953. Quelle: Bauakte.
Das fertige Schulgebäude von Süden über den Schulhof gesehen, im mittigen Querbau war der Schülereingang.
Foto 1954: Ludwig Baur, ehem. Gemeindebaumeister. Privatbesitz.
Die städtische Gemeinschaftsgrundschule an der Breslauer Straße wurde 1954 als erste Evangelische Volksschule der Gemeinde Lövenich für die Kinder aus Lövenich,
Weiden und Junkersdorf eingeweiht. 1968 wurde sie in eine Gemeinschaftsgrundschule umgewandelt.
Der Bauplatz des neuen Schulgebäudes war am Ortsausgang von Weiden, angrenzend an die Felder nach Junkersdorf, die Jahre später der Wohnsiedlung an der Diepenbeekallee und der Trasse der A1 weichen sollten.
Das Gemeindebauamt beantragte den Schulbau am 20.12.1952. Verantwortlich für den Entwurf waren der Gemeindebaumeister Regierungsbaurat Hans J. Finck, der seine Stelle erst in diesem Jahr von Ludwig Baur übernommen hatte, und der Weidener Architekt Ludwig Gustmann als Vertreter der örtlichen Bauleitung. Am 8. Oktober 1953 wurde der Grundstein gelegt, ausgeführt wurde der Bau durch die Uesdorfer Bauunternehmung von Wilhelm Heep. Eingeweiht wurde die neue Schule am 27. September 1954 mit 220 Schülern in vier Klassen.
Sie wurde nach dem damals sehr populären deutsch-französischen Arzt, Theologen, Musiker und Pazifisten Albert Schweitzer (1875-1965) benannt, der seit 1913 als Missionsarzt in Lambarene (Gabun) tätig war. Zu dieser Zeit, 38jährig, war er in drei verschiedenen Fächern promoviert (Philosophie, Theologie und Medizin), hatte bereits mit 27 Jahren seine Habilitation in Evangelischer Theologie an der Universität Straßbourg erreicht, wo er auch 1912 zum Professor ernannt wurde.
1954, im Jahr der Fertigstellung der Weidener Schule, erhielt er rückwirkend den Friedensnobelpreis für das Jahr 1952.
Ein eingeschossiger und ein zweigeschossiger nicht genau parallel dazu stehender Putzbau mit flachen Satteldächern wurden durch einen eingeschossigen Querbau
verbunden, es war die Eingangshalle für die Schüler. Es gab vier Klassenräume, ein Lehrerzimmer und Nebenräume.
Zuerst wurde der zweigeschossige Flügel errichtet, dann die Eingangshalle rechtwinklig angebaut. Erst als beide fertig waren, begann der Bau des eingeschossigen Gebäudes.
Die Albert-Schweitzer-Schule im Zustand von 1953 bei einer Besichtigung durch das Gemeindebauamt, der eingeschossige Westflügel war noch nicht vorhanden!
Foto: Ludwig Baur. Privatbesitz.
Die Südseite des Querbaus diente als überdachter Eingangsbereich für die Schüler, die sich in den ersten Jahren klassenweise in Zweiereihen nebeneinander davor aufzustellen hatten, bis sie von der Lehrperson abgeholt wurden.
Ansicht von Osten, aus Richtung Junkersdorf, nach der Fertigstellung 1954.
Foto: Ludwig Baur.
Privatbesitz.
Ein fertig eingerichtetes Klassenzimmer mit zeittypischen Zweiertischen und Stühlen aus Holz, dem Lehrerpult, Waschbecken und Tafel.
Alle Schulen in der Gemeinde waren Konfessionsschulen, daher das Kreuz über der Tafel.
Foto 1954: Ludwig Baur.
Privatbesitz.
Der Haupteingang war zur Breslauer Straße hin. Nach Süden hin schloss sich der Schulhof an, er wurde mit einer Hecke eingefriedet, einen kleinen Schulgarten gab es.
Die nördliche Nachbarschaft waren die neuen Einfamilienhäuser an der Bergischen Straße, die Breslauer Straße war noch nicht ausgebaut. Die Diepenbeekallee (sie hieß damals Eifelallee wie ihre Verlängerung in Junkersdorf) war ein schmaler Feldweg, ebenso die Ostlanstraße, der damalige Grüne Weg, an der wenige einfache Nachkriegshäuser standen. Beide Feldwege waren ansonsten unbebaut.
Eine Luftaufnahme der Albert-Schweitzer-Schule von Südwesten, 1956 oder 1957. Eine junge Hecke umzäunt das gesamte Grundstück, sie war nach Osten hin gleichzeitig die Grenze zur Junkersdorfer Flur.
1961 kamen ein Anbau von zwei Klassen und eine Kochlehrküche hinzu.
Die Turnhalle auf dem östlich anschließenden, dunklen Rasengrundstück wurde am 25. Juni 1965 eingeweiht. Auf dem Grundstück mit dem Schulgarten wurde an den Feldweg (an der rechten unteren Ecke) 1958 die Lehrerdienstwohnung errichtet.
Die nördlich anschließenden Grundstücke gehörten den jüngst fertiggestellten Einfamilienhäusern an der neuangelegten Bergischen Straße.
Postkarte, nicht gelaufen, um 1956/57.
Sammlung Uwe Griep
Einladung zur festlichen Einweihung der neuen Turnhalle.
Während des Festaktes wurde von den Kindern der Singschule Weiden, die zumeist Schüler der Albert-Schweitzer-Schule waren, unter Leitung von Klaus und Waltraud Linkenbach das Singspiel Wir bauen eine Stadt von Paul Hindemith aufgeführt.
Originale Einladung, Sammlung Uwe Griep
Nach der Eingemeindung in die Stadt Köln im Jahr 1975 gilt die Albert-Schweitzer-Schule als städtische Gemeindschaftsgrundschule. Gleichzeitig mit der Umwandlung zur offenen Ganztagsschule (OGS) wurde im Sommer 2005 der Erweiterungsbau nach längerer Bauzeit bezogen.