So idyllisch gelegen die neue Villa, inmitten eines großen Gartens, abseits der ohnehin kaum befahrenen Alleestraße, Landwirtschaft nebenan.

Die recht junge Bepflanzung des Vorgartens weist auf eine Aufnahme kurz nach der Fertigstellung 1926 hin.

 

Weiden, Aachener Straße. Postkarte, um 1926, nicht gelaufen. Verlag M. Flügge, Weiden. Sammlung Uwe Griep

 

 

Die Bauherren dieser backsteinsichtigen Doppelvilla, zwei Brüder aus Ehrenfeld, betrieben ihre Firma Meess & Meess, Motorfahrzeuge u. Fahrräder,  im Kölner Industriehof in der heutigen Krebsgasse. Für ihre Wohnungen in der großen Doppelvilla fanden sie einen repräsentativen aber ruhigen Bauplatz an der Aachener Straße im kaum bebauten Bereich zwischen Bahnstraße und Vogelsangerweg, der aber dennoch gut an die Stadt Köln angebunden war. In der Nachbarschaft gab es ausgedehnte Kirschbaumplantagen und Tulpenfelder.

 

Der Kölner Architekt  Johannes Schüller, von ihm stammte auch die zeitgleiche ganz außergewöhnliche Villa Helbig am Vogelsangerweg 43, heute das Kloster der Mägde Mariens, entwarf diesen großvolumigen Bau in seiner einzigartigen Gestaltung.

Die zweigeschossige Doppelvilla erhielt eine weiß verfugte Backsteinfassade auf einem Bruchsteinsockel und ein verschiefertes Walmdach mit zwei großen Zwerchhäusern. Die Eingänge befinden sich an den Seitenwänden neben den beidseitigen, spitz auskragenden Treppenhäusern. An der Rückseite gab es Wintergärten und Balkone mit Fenstertüren.

Mit den aufwändig angeordneten Mustern der Backsteine, den markanten zackigen Ziegelornamenten, der hellen Verfugung und den von der Frechener Keramik beeinflussten Rahmungen des Eingangs, den Balkonbrüstungen sowie der figürlichen Baukeramik an den Stützen der Eckfenster weist sich die Villa als ein wichtiges, in Weiden einzigartiges Beispiel für die am rheinischen Expressionismus orientierte Landhausarchitektur aus. Die Fenster wurden weiß lackiert, im Obergeschoß gab es Klappläden.

Der tiefe Vorgarten wurde zur Straße und seitlich mit einer niedrigen Bruchsteinmauer eingefriedet, entlang der Aachener Straße wurde zusätzlich ein Zaun aus Eisenrohren aufgesetzt. Für die Zufahrten zu den beiden seitlichen Garagen mussten Grabenbrücken aus Eisenbeton gebaut werden.

Die Bauherren bekamen in besonderer Weise die Auswüchse der Inflation zu spüren. Für die Baugebühren (1923) waren 55 636 Millionen Mark zu zahlen! Zusätzlich verlangte Regierungsbaurat Moumalle für die Prüfung beider Häuser 48 Mark per Überteuerungsziffer 181 000 000 = 8688 000 000 Mark! Während der Rohbauphase im Mai 1924 musste der Bau wegen Geldmangels eingestellt werden. Erst seit dem Frühjahr 1925 wurde weitergebaut, allerdings wurde die Ausstattung bis auf die einfachste, absolut notwendigste Art beschränkt und nur zu dem Zweck, lediglich Wohnungen zu schaffen, vollendet.

 

Die einstige Idylle lässt sich heute an der Lage neben der sechspurigen Aachener Straße, gegenüber der Straßenbahnhaltestelle und der Autobahnausfahrt nicht mehr wahrnehmen. Zur Verbreiterung der Straße und des Fußweges musste ein Teil des Vorgartens abgegeben werden. Aus den alten Steinen wurde eine neue höhere Bruchsteinmauer errichtet, statt der hohen repräsentativen Eingangstore gibt es jetzt einfache Eisentore. Dahinter sind aber der Vorgarten sowie ein großer Garten erhalten.

Die Villa selbst ist hinter der schützenden Mauer weitgehend original erhalten und denkmalgeschützt, einige Fenster wurden erneuert, die Klappläden im Obergeschoß sind nicht mehr vorhanden.

 

Aachener Straße 1120-1122 (urspr. Nr. 2o-2p)     Denkmal

1923-26

Bauherren: Eduard Meess (Nr. 1120), Willy Meess (Nr. 1122), Firma Meess & Meess, Motorfahrzeuge und Fahrräder, Köln-Industriehof

Architekt: Johannes Schüller, Lindenthal, Berrenrather Straße

 

kursiv  = Zitate aus den Bauakten

 

Die Villa im Rohbau, schön zu erkennen die unterschiedlichen expressionistischen Backsteinornamente und die Frechener Keramik an der Ecke zwischen den Fenstern im Erdgeschoss. Der Eingang scheint verbrettert zu sein, ein Hinweis auf den Baustillstand seit Mai 1924.

Foto aus dem Album Benninghoven, Weiden, Neubau Aachenerstraße

 

 

Aachener Straße 1120-1122 mit kräftigen weißen Fugen zwischen den Backsteinen und expressionistischem zackigen Dekor. Daneben die gleichzeitigen Villen Nr. 1112 (1968 abgebrochen) und 1110 (Denkmal), rechts das gerade fertiggestellte Eckhaus zur Körnerstraße Nr. 1106, auch mit weiß verfugter Backsteinfassade..

Zwischen den Pflastersteienen der Alleestraße liegt die Straßenbahnschiene.

Aufnahme des in der Goethestraße wohnenden Architekten Siegert von 1926, Album Benninghoven.

 



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"Weiden b. Köln.  Aachenerstraße", Blick nach Westen, um 1952 (?)   Postkarte, Sammlung Uwe Griep
"Weiden b. Köln. Aachenerstraße", Blick nach Westen, um 1952 (?) Postkarte, Sammlung Uwe Griep

Die Aufnahme wurde zu einer schönen aber langweiligen Ansicht mit kräftiger Retusche überzeichnet: verschwunden ist der gewölbte alte Basaltbelag der Straße, begradigt wurden die Fußwege (besonders im Hintergrund!), "erneuert" die alten Mauern und die Dächer, Bäume neben dem Landhaus fehlen.

Franz Batzen betrieb hier eine Metzgerei und eine Kolonialwarenhandlung. Rückwärtig waren ein Schlachthaus, ein Stall und ein Wagenschuppen angebaut. Die Stuckfassade ist bis heute  erhalten.
Aachener Straße 22, heute Nr. 1333, Metzgerei von Franz Batzen. Postkarte gelaufen 1910, Sammlung Uwe Griep

Franz Batzen betrieb in seinem im Jahr 1900 erbauten Haus eine Metzgerei und eine Kolonialwarenhandlung. Rückwärtig waren ein Schlachthaus, ein Stall und ein Wagenschuppen angebaut. Die Stuckfassade ist bis heute  erhalten.



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Bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert stand auf dem Eckgrundstück zur damaligen Severinusstraße (heute Selma-Lagerlöf-Straße) eine Gaststätte, ein zweigeschossiges Fachwerkhaus das später durch einen seitlichen Backsteinanbau vergrößert wurde. Es hatte die Hausnummer "Weiden Nr. 36" und war im Besitz der Familie Schneider (später Schumacher), der zu dieser Zeit auch die alte Lövenicher Windmühle an der Bahnstraße gehörte. Hier fanden bis zum Bau des ersten Gemeindehauses 1861 häufig die Gemeinderatssitzungen statt. Ein vorhandener Tanzsaal an der Severinusstraße wurde 1903 vergrößert. Nach dem II. Weltkrieg wurde er als Spritzlackiererei genutzt und brannte 1953 völlig ab. Ein Jahr später wurden auch die alten Gebäude der Gaststätte niedergelegt, die letzte Wirtin Agnes Schumacher errichte daraufhin eine neue Gaststätte an der Goethestraße und nannte sie "Zur alten Post". Die abgebrochenen Bauten wurden vom Schrottgroßhändler Jakob Klefisch durch den bis heute weitgehend erhaltenen Neubau ersetzt, in dem A. Ottersbach das Restaurant und Hotel "Germania" eröffnete.

Ein Jahr zuvor hatte Klefisch auf dem Grundstück des benachbarten niedergelegten historischen Erkelenzhofs die vier zweigeschossigen Wohnhäuser mit jeweils sechs Wohnungen bauen lassen. Alle Gebäude waren ursprünglich weiß verputzt.

Das gesamte von dem Kölner Architekten Hans Winzen entworfene Enseble ist den heutigen Anforderungen entsprechend erhalten.

 

 "HOTEL GERMANIA" 

Weiden b.  Köln,   Aachenerstr. 230

Tel.   Amt  Frechen  2916

Wein-  und  Bierrestaurant,   Gesellschaftsräume

Bundeskegelbahn,   Boxen  -  Garagen

 

Das Hotel Germania bei Nacht in den 1950er Jahren. Postkarte, gelaufen "3.6.1957 (?)".  Sammlung Uwe Griep



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Aachener Straße, Blick dorfauswärts in Richtung Osten (Junkersdorf). Postkarte von 1913, Sammlung Uwe Griep
Aachener Straße, Blick dorfauswärts in Richtung Osten (Junkersdorf). Postkarte von 1913, Sammlung Uwe Griep

Im Jahr 1760 errichtete die Thurn- und Taxi´sche Post ein Postgebäude mit Pferdewechselstation am Dorfeingang von Weiden.  Neben der Briefpost hatte sie einen Personenreiseverkehr mit Postkutschen eingerichtet, die über Landstraßen fuhren. Später war hier eine Station der preußischen Reichspost, noch 1831 gingen die Reitpost zwischen Köln und Aachen mit Anschluss nach Belgien und die Schnellpost von Köln nach Aachen durch Weiden. Nach der Fertigstellung der Eisenbahn von Köln nach Aachen 1841 endete der Posttransport mit Pferden, das Gebäude wurde nun als Gaststätte und Brauerei genutzt.

Seit 1895 war Josef Liessem aus Godesberg der Wirt des Gasthauses mit der Hausnummer  „Weiden Nr. 1“, er ließ 1905 den ersten Bürgersteig an der Aachener Straße überhaupt über eine Länge von 15m auf eigene Kosten pflastern. Seine Gaststätte, die vorher auch „Alte Post“ genannt wurde, nannte er in den letzten Jahren „Alt Weiden“.

Das langgsetreckte zweigeschossige Backsteingebäude lag unmittelbar neben der „Hongkskuhl“ (rechts im Hintergrund, heute "Rhein-Center") an der erhöht liegenden „Chaussee“, der Chausseegraben endete neben dem Gebäude. Um 1910 wurde das Gebäude geteilt und umgebaut, neben der Gastwirtschaft waren hier vorübergehend der Kolonialwarenladen von Christine Schumacher (1912) und die (Baumaterial-) Handlung von Jacob Stoffel (1913-17).

Es scheint als zeigten die Menschen auf der Postkarte mit den vielen Fahrrädern ihren Wohlstand vor der ländlichen Gaststätte. Doch auch das Fehlen von Autos und das Wegretuschieren der seit einem Jahr vorhandenen Straßenbahngleise (!) kann nicht das Ende des traditionellen dörflichen Lebens verleugnen. Die Rohbauten der großen vorstädtischen Häuser an der Schillerstraßee und besonders der großen Konkurrenz des Restaurants St. Florian an der linken Straßenseite zeugen bereits deutlich von den kommenden Veränderungen zu einer bürgerlich vorstädtisch geprägten Zukunft.

Die Gebäude mit der damaligen Hausnummer 81-83 wurden in den 1920er Jahren niedergelegt.  Die schmale Gasse vorne rechts wurde später zur Straße „An der alten Post“ ausgebaut und erinnert ebenso an das historische Gebäude wie der Name der neuzeitlichen Gaststätte an der Goethestraße „Zur alten Post“.9



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Aachener Straße 1176 (vorher: Nr. 176; 1903: Nr. 93; 1884: Weiden Nr. 58).    "GUTSHOF KLEIN. Weiden bei Köln".    Postkarte um 1920, nicht gelaufen. Sammlung Uwe Griep.
Aachener Straße 1176 (vorher: Nr. 176; 1903: Nr. 93; 1884: Weiden Nr. 58). "GUTSHOF KLEIN. Weiden bei Köln". Postkarte um 1920, nicht gelaufen. Sammlung Uwe Griep.

 

Baujahr: 1903-05

Bauherr: Heinrich Klein, Maurermeister aus Hücheln

Architekt: Johann Klein

 

"...anstelle des alten Hauses (von 1874), weil dasselbe zu klein und feucht ist..." Am 28.4.1874 hatte Klein dafür eine 4 m breite "Grabenüberfahrt mit überwölbtem Wasserdurchlass" beantragt. (Zitate handschriftlich von Heinrich Klein in der Bauakte)

Im Jahr 1874 baute sich der Maurermeister Heinrich Klein aus Hücheln eines der ersten Wohnhäuser in diesem Bereich der Straße weit außerhalb des damaligen Dorfes. Vermutlich war es ein eingeschossiges Backsteinhaus, ähnlich den noch vorhandenen Nachbarhäusern, an deren Bau er wahrscheinlich auch beteiligt war. Wegen der geringen und standardisierten statischen Berechnungen wurden die Häuser üblicherweise von Maurermeistern erbaut. Kurz vor seinem Tod ließ er sich von seinem Sohn, dem Architekten Johann Klein, ein für die noch dörflichen Verhältnisse herrschaftliches Wohnhaus an derselben Stelle errichten.  Johann Klein entwarf ein mächtiges zweigeschossiges Landhaus mit hohem Sockel und Freitreppe auf dem 4000m²  großen Grundstück. Wegen der Größe des Hauses mussten harte Ringofenziegel anstatt der noch üblichen Feldbrandsteine verwendet werden. Der Vorgarten war mit einer Mauer und hohem Eisengitter eingefriedet. Klein hatte große Grundstücke an der Aachener Straße besessen, die von ihm (und nach seinem Tod von seiner Witwe) als Bauland verkauft und von Johann Klein bebaut wurden.

Das mehrfach erweiterte und als " Landhaus Klein" bekannte Anwesen wurde 1974, weitgehend im Originalzustand erhalten, für den Neubau des Postamts (1980-84; Architekten: Hentrich,  Petschnigg & Partner) abgebrochen. 

Entwurfszeichnung von Johann Klein zum Bauantrag vom 27. Mai 1903. Genehmigt von Bürgermeister Nolden. Quelle: Bauakte.
Entwurfszeichnung von Johann Klein zum Bauantrag vom 27. Mai 1903. Genehmigt von Bürgermeister Nolden. Quelle: Bauakte.

 

 

 

Die Aachener Straße vor dem Restaurant Sanct Florian im Sommer 1913 in Richtung Osten nach Junkersdorf. Die Pflasterung endete hier, vorne links die neuangelegte Schillerstraße. Die Allee war schön gleichmäßig gewachsen.

Foto 1913, Album Benninghoven