Eine ungewöhnlich detaillierte Fotoserie eines berufsmäßigen Architekturfotografen hat uns detaillierte Ansichten eines in den frühen 1950er Jahren neu erbauten Einfamilienhauses festgehalten. Besonders die für die Fotos hergerichteten Innenräume zeigen uns zum einen das Ideal einer neu eingerichteten Wohnung aus den Anfängen des deutschen Wirtschaftswunders, jedoch auch ganz im Detail das verwirklichte Zuhause einer Direktorenfamilie seiner Zeit.
Der Kärntner Weg, eine Gartenstadtstraße zwischen Statthalterhofalle und Donauweg, wurde um 1950 angelegt und mit wenigen hochwertigen Wohnhäusern auf großen Grundstücken zügig bebaut.
Im Jahr 1951 ließ sich der dänische Verwaltungsdirektor der Kölner Fordwerke eines der ersten Wohnhäuser an der neuen Straße errichten.
Als Architekt wählte er Peter Friedrich Schneider, der in Wien als Meisterschüler von Peter Behrens sein Studium abgeschlossen hatte. 1930 war er im Essener Büro von Prof. Edmund Körner am Bau des Folkwang Museums beteiligt, und noch im selben Jahr leitete er dessen Kölner Zweigstelle zum Bau der Fordwerke in Köln-Niehl. In den Nachkriegsjahren vergrößerte er die Fordwerke um ein Vielfaches. Von 1948 bis 1952 schuf er das markante WDR-Funkhaus am Wallrafplatz.
Auf den ersten Blick ein größeres aber nicht sehr auffälliges eingeschossiges Wohnhaus in der konervativen Gestaltung der späten 1930er Jahre mit rechteckigem Kubus und einem steilen Satteldach.
Das eingeschossige Einfamilienhaus mit weiß geschlämmten Backsteinfassaden gliederte sich in zwei Flügel. In dem traufständigen Hauptbau mit steilem Satteldach waren die Schlafräume und die Küche untergebracht.
Durch die geräumige Diele gelangte man in den stumpfwinklig anschließenden Wohnflügel, dieser erhielt wie auch die seitlich an den Hauptflügel angebaute
Doppelgarage ein flacher geneigtes Dach. In das teilweise ausgebaute Dachgeschoß des Hauptbaus gelangte man durch eine freie Treppe in der Diele. Die Bodenbeläge wurden vielfältig gewählt:
Solnhofer Platten in Garderobe und Diele, Korkparkett in Bad und den Schlafräumen, Steinfliesen in Küche, Anrichte und WC, Buchenparkett im Wohnraum.
Der Vorgarten wurde mit Rasen bepflanzt und nicht eingefriedet. Das seitliche Gartengrundstück war in der Flucht des Hauses mit einer 1,20m hohen, weiß geschlämmten Backsteinmauer mit Ziegeleindeckung vom Vorgarten abgetrennt.
Die Straßenseite wurde weiß verputzt, an der Gartenseite waren Backsteine weiß geschlämmt, der Backsteinkamin war weiß verfugt.
Der gesamte Seitenflügel war ein einziger Raum mit großzügigem Ess- und Wohnbereich.
Ein 4m breites Fenster zum Garten war nach Südwesten ausgerichtet, im Hintergrund sieht man erste Häuser am Donauweg. Davor der Essplatz auf einem Teppich mit einem eher kleinen runden Tisch. Das Spalier zum karg eingerichteten Wohnbereich sollte sicher noch bewachsen werden. Das große hintere Fenster war ein der Hauswand vorgestelltes, zimmerhohes Blumenfenster mit Zimmerbeet innerhalb des Wohnbereichs mit wenigen modernen Möbeln. Sogar die Kaminöffnung erhielt eine zeittypische Form! Das Bücheregal war eingebaut, kein Teppich auf dem Buchenparkett.
Der Kölner Architekt Peter Neufert, damals Mitarbeiter von P. F. Schneider, ergänzte 1975 das Anwesen mit einer unterirdischen Schwimmhalle im Gartenbereich.
Das Haus wurde 1995 abgebrochen.
Kärntner Weg 2
erbaut: 1951
Bauherr: Kaj A.E.B. Meyer, Direktor
Architekt: Peter Friedrich Schneider
1975 Schwimmhalle durch Atelier Neufert
1995 abgebrochen
Fotos: um 1952, Gartenseite und Wohnbereich, Privatbesitz