

Aprikosen, Pfirsiche und kräftige Weinstöcke
Das ehemalige Rougemont – Sonorésche
Landhaus in Weiden bei Köln
Den französischen Fußsoldaten, arg zerlumpt und hungrisch[1], wird auf ihrem Marsch nach Köln am 5. Oktober 1794 das kleine Straßendorf Weyden nicht weiter aufgefallen sein. Die gerade Allee hinter Königsdorf wurde nach einigen Kilometern kurz unterbrochen, Baumreihen und Gräben endeten vor den ersten Häusern. An beiden Seiten der Aachener Straße standen hier 13 zum Teil mehrere Jahrhunderte alte Fachwerkanwesen, einfachste Wohnhäuser zumeist, einige kleinere Bauernhöfe besaßen noch Scheune und Stall. Die weiße Farbe der alten Fachwerkhäuser und das Grün der Heckeneinfriedungen zwischen den Grundstücken boten den in unserer Gegend üblichen Anblick eines ländlichen Straßendorfes. Kurz vor dem Ortsausgang in Richtung Junkersdorf jedoch sprang ihnen auf der rechten Straßenseite eine außergewöhnliche bauliche Erscheinung ins Auge: ein erst kürzlich errichtetes herrschaftliches Landhaus mit einem großen steinernen Wirtschaftsgebäude und einem riesigen Garten dürfte so gar nicht in das Bild dieser ärmlichen Siedlung hineingepasst haben. Wer hatte sich eine derart repräsentative Villa weit vor den Toren Kölns in das unscheinbare Weiden gestellt? Das Geheimnis ihrer Herkunft liegt bis heute im Dunkeln, erst ein Jahrhundert später lesen wir von ihr als das ehemalige Rougemont – Sonorésche Landhaus.
An der südlichen Straßenseite der Aachener Straße, im Winkel zur heutigen Berliner Straße stand dieses aus den dörflichen Fachwerkhäusern herausragende Bauwerk, das um 1770 von einem unbekannten Bauherrn errichtet worden ist. Es sollte erst Generationen später nach seinen ersten nachweisbaren Eigentümern das Rougemont-Sonorésche Landhaus genannt werden. Zu dem zweigeschossigen Wohnhaus mit seitlichen eingeschossigen Anbauten aus dem Übergang vom Spätbarock zu einem frühen gepflegten Klassizismus gehörte ein giebelständiges sog. Ökonomiegebäude etwa 50m weiter westlich.
Die Umstände der Entstehung des Baus und dessen Nutzung in den ersten Jahrzehnten liegen völlig im Dunkeln. Bauherr, Architekt und die Herkunft des Grundstücks sind bis heute nicht nachzuweisen. Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts sah in der Umgebung der Stadt Köln einen Aufschwung im Bau von Landhäusern. Nach dem Vorbild des kurfürstlichen Hofes in Bonn pflegten auch hier die Klöster und Stifte sowie wohlhabende Kölner Familien den Landhausbau. Mit Landsitzen wie dem Haus Arff bei Worringen, der Schlossanlage in Stammheim und dem im Vergleich dazu kleinen Weidener Landhaus entstand eine Baubewegung, die besonders seit etwa 1800 bis ins 20. Jahrhundert hinein die Stadt mit einem Kranz von Landhäusern umgab. Dem Weidener Landhaus sehr ähnlich wurde noch 1814/15 die sog. Kitschburg in Köln-Lindenthal gestaltet.
Kaspar Wilhelm Hamm, Senator oder Tilmann Laurenz Hamm, Kaufmann ?
Den einzigen Hinweis auf den möglichen Bauherren liefert das bislang nur unbefriedigend erklärte Doppelwappen, das über dem Eingang angebracht war. Das linke Wappen zeigt drei Sterne in einer Reihe, darunter ein Tier, das sowohl als Lamm, aber auch als Hund oder Wolf gedeutet wurde. Das rechte Wappen ist zweigeteilt, in der oberen Hälfte ist das Motiv zweier Eichenblätter mit einer Eichel zweimal, im unteren Teil nur einfach dargestellt. Es wird als das Doppelwappen der Kölner Familie von (vom) Feld - Hamm angesehen. Der Senator Kaspar Wilhelm Hamm († 30. Mai 1781) und seine Ehefrau Katharina Maria vom Feld († vor 1778) wohnten in Köln, Unter Spormacher (heute Hohe Straße).
Nach einer anderen Quelle wurde das Haus im Jahr 1788 für den Kölner Kaufmann Tilmann Laurenz Hamm gebaut, der in der Brückenstraße 13/5 wohnte und 1798 verstarb[2].
So ungeklärt wie die genaue Zuordnung des Wappens ist auch die Frage, ob es zum ursprünglichen Bau des Hauses gehörte und die Familie des Bauherren bezeichnet.
[1] Aus dem Tagebucheintrag des Uesdorfer Ortsvorstehers Leonhard Büttgen vom 5. Oktober 1794, in dem er die Ankunft der französischen Sansclotten von Königsdorff herabkommend beschreibt. s. dazu: Griep, Uwe: Köln: Lövenich, Weiden und Junkersdorf. Siedlungsgeschichte bis 1950 (= Stadtspuren Bd. 27). Köln 2003, S. 43.
[2] Die Zuschreibung des Doppelwappens ist tatsächlich vollkommen unklar, die verschiedenen Erklärungen sind uneinig und sehr unbefriedigend. Die Erklärung im Text stammt von dem in Weiden wohnenden späteren Grevenbroicher Pfarrer Laurenz Lang, der ein Testament der Eheleute von Feld-Hamm kannte (wir besitzen ein gemeinsames Testament vom 17. Januar 1761). Alle anderen Autoren geben gar keine Hinweise über die Herkunft ihrer Informationen. Nach Lang ist das Wappen der Familie Hamm durch einen Eichenstrauch gekennzeichnet (Lang, Laurenz: Das ehemalige Rougemont – Sonorésche Landhaus in Weiden und seine Besitzer. In: Heimatkalender für den Landkreis Köln 1929, S. 100-101) Vielen Dank an Herrn Peter Schreiner für eine Kopie.
Der Heimatforscher Hans Clemens, der 1956 Auszüge aus Langs Text von 1929 wiedergegeben hat, erkannte in dem Tier im linken Wappen ein weidendes Lamm (Obermanns Jacob u. Hans Clemens: Die Gemeinde Lövenich im Spiegel der Geschichte. Weiden 1956, S. 134).
Einige Jahre später bezeichnete der frühere Kölner Stadtkonservator Hans Vogts dieses Tier als einen Hund oder Wolf und das Wappen als identisch mit dem der aus Andernach stammenden Familie Wolff in Köln (Vogts vertauscht jedoch in seiner Beschreibung die Lage der beiden Wappen). Auch bezieht er sich auf eine Mitteilung von Hans Clemens in Junkersdorf, nach dem das Haus 1788 für den Kölner Kaufmann Tilmann Laurenz Hamm gebaut wurde, der in der Brückenstraße 13/5 wohnte und 1798 starb (Vogts, Hans: Das Kölner Wohnhaus bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. 2 Bände. Köln 1966, S. 359, Anm. 35). Er gibt jedoch keine Angabe über die Quelle von Clemens.
Der spätere Eigentümer Heinrich Lempertz vermutete 1887, dass das Haupthaus vielleicht aus der Zeit des Kurfürsten Clemens August (1723-61) stammte und dem Deutschordensgroßmeister zum Zwecke des Ordens oder für die Abtei Brauweiler gebaut worden sei. Diese Zusammenhänge wurden gerne von späteren Autoren weitertransportiert, sind aber nicht belegt und sollten als Ideen des Herrn Lempertz angesehen werden. Den kunstliebenden Kurfürsten als Erbauer von Schloß Brühl auch in die Geschichte Weidens zu integrieren, mag natürlich verlocken. Und der gerne wiederholte Zusammenhang zum Deutschen Orden basiert auf der falschen Annahme von Lempertz, das Kreuz des Ordens im Uesdorfer Wegekreuz erkannt zu haben (Schulstraße, Ecke Ostlandstraße). Da es sich dort aber eindeutig um ein datierbares Johanniterkreuz der Lövenicher Johanniterkommende handelt, muss die Deutschordenslegende nicht weitergetragen werden, zumal dieser Orden in Weiden oder Lövenich niemals in Erscheinung getreten ist. Diese Zusammenhänge hätte Clemens schon 1956 wissen können. Den Zusammenhang zur Abtei Brauweiler sieht Lempertz in der Architektur, wobei sich der gleiche Bau-Styl sogar in der Treppe und den Ornamenten der geschnitzten Holzlehne wiederfindet. Ob solche baulichen Zusammenhänge bestehen, und ob diese vielleicht Aussagen über die Bauzeit, den Architekten und vielleicht den Auftraggeber erlauben, wäre zu prüfen. Allerdings hatte die Abtei Brauweiler keine Verbindungen zu Weiden oder Uesdorf, und hatte hier auch keinen Landbesitz. Interessant wäre ohnehin zu wissen, wer hier vorher Landbesitzer war und eventuell an den Bauherren das 1 ha große Grundstück veräußert hatte! (Zu Lemperz s. Anm. 12)

Joseph Claude Rougemont, Arzt und Heinrich Sonoré, Beigeordneter
Sicher ist jedoch der Erwerb des Anwesens nur wenige Jahre später durch den in Köln ansässigen französischen Arzt Joseph Claude Rougemont (1756-1818) und seiner Ehefrau Maria Cassinone, die aus einer wohlhabenden Kölner Kaufmannsfamilie stammte. Gemeinsam mit ihrem Schwiegersohn Heinrich Sonoré sollte das Ehepaar Rougemont zum Namensgeber des Hauses werden.
Rougemont, 1756 in Santo Domingo (heute Dominikanische Republik) geboren, hatte in Dijon und Paris Medizin studiert und wurde ein in Frankreich vielfach ausgezeichneter Arzt und Dozent[1]. 1777 wurde er an die Kurfürstliche Universität zu Bonn berufen und war neben seiner Professur für Anatomie und Chirurgie auch der Leibwundarzt des Kurfürsten Max Friedrich. Seit 1797 lebte er als niedergelassener Arzt in Köln, Rheingasse 13 und galt als einer der wohlhabendsten Bürger der Stadt[2]. Sein zwischenzeitlich erworbenes Landhaus in Weiden hatte er gleichzeitig als kleines Sanatorium genutzt. Ob das Anwesen vor oder während der französischen Besetzung in seinen Besitz kam, ist nicht bekannt. Rougemont hatte am 5. September 1810 bei einer Versteigerung von säkularisiertem Eigentum zusätzlich eine 22,1 ha große Fläche Ackerland aus ehemaligen Johanniterbesitz auf Lövenicher Flur erworben, die bis dahin vom Weidener Bauern Johann Erkelenz gepachtet wurde. Sicherlich lag ein Teil dieses Landes im Winkel Aachener Straße und Bahnstraße, auch westlich der Römerstraße und entlang der Selma – Lagerlöf – Straße sowie neben dem damaligen Erkelenzhof gleich gegenüber dem Landhaus[3]. Rougemont starb als hoch angesehener Arzt am 28. März 1818 und wurde auf dem Friedhof Melaten in der Familiengrabstätte seiner Ehefrau (Cassinone) beigesetzt[4].
Nach dem Tod der Witwe Rougemont gelangte das Anwesen über ihre Tochter in den Besitz ihres Schwiegersohnes, des Hauptmanns Heinrich Sonoré. Er war beigeordneter Bürgermeister der Stadt Köln und nach §46 der Gemeindeordnung auch Gemeinderatsmitglied der Gemeinde Lövenich. Zu dieser Zeit galt das Haus als ein Landsitz von vorzüglicher Bauart[5].
Sonoré war bekannt für seine Liebe zur Botanik und sein Fachwissen. Er war ein Fachmann für die Züchtung von Obstbäumen (Blumist und Pomologe) und unter seiner Pflege erlebte das Anwesen seine Blütezeit. In den folgenden fünf Jahrzehnten ließ er prächtige Gärten anlegen und betrieb hier ausgedehnten Obstanbau und -verarbeitung. Für den eigenen Gärtner wurde der westliche Anbau des Hauses zur Wohnung eingerichtet. Zu dieser Zeit besaß das Anwesen zwei insgesamt 12 000m² große Gärten. Der an das Haus anschließende 9 100m² große Garten umfasste einen großen Teil der heutigen Grünanlage Berliner Straße – An der Alten Post und reichte im Westen über die heutige Berliner Straße hinweg. Hinter den Gärten verlief ein schmaler Weg zwischen der Schulstraße und der damaligen Broichhausenschen Gasse (heute: An der Alten Post). In dem von 3 m hohen Mauern und Hecken eingefriedeten Garten gab es die feinere Obstkultur wie Birnpyramiden und kräftige Weinstöcke, aber auch edle Rosen, schöne Schlinggewächse und Zierhölzer sowie reichlich einheimische und exotische Laubbäume. Die Sorten waren namentlich für die Lövenicher Gegend meist gut gewählt, die Lage galt als sehr günstig, frei und warm. Ein weiterer kleinerer Garten von ca. 2 100m² war apart zu 3000 Mk. angekauft worden, er lag gegenüber dem Haus auf der anderen Straßenseite. Auch dieser Garten war mit Obstbäumen bepflanzt, in beiden Gärten standen mehr als 300 Obstbäume, neben einheimischen Äpfeln, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Edelkastanien gab es auch Aprikosen und Pfirsiche[6]. In dem kleinen Garten hatte der Gärtner H. Schneider eine Plantage mit 2000 Johannisbeer- und Himbeersträuchern angelegt. Jenes Grundstück wurde aber auch erworben, um die Aussicht auf Lövenich, den Bahndamm, Stationshaus und Perron vom Wohnhause aus überschauen zu können.
Gemüse- und Obstkeller, Obststellagen und ein Obstdörrofen (im östlichen Anbau des Wohnhauses), eine Imkerei mit Bienenhaus und Schleudermaschine gehörten damals ebenso zum Landhaus wie eine Sammlung naturgeschichtlicher Bücher und Bilder von Sonoré. An der Straße, westlich des Hauses, gab es ein 35m² messendes Treibhaus, daneben stand das Ökonomiegebäude mit Backofen und großem kupfernem Kessel zum Obst kochen[7]. Das Ökonomiegebäude war ein hohes giebelständiges Backsteinhaus von weitaus größerem Ausmaß als die anschließenden kleinen giebelständigen Landarbeiterhäuser. Heinrich Sonoré selbst wohnte vermutlich nicht regelmäßig im Landhaus, das Wohnhaus stand längere Zeit leer. Die Einwohnerzählung der Gemeinde Lövenich des Jahres 1855 notiert beide Häuser als Weiden Nr.3 und erklärt sie für unbewohnt. 1864 wohnten in dem Haus oder dem Ökonomiegebäude der 25jährige Gärtner Johann Röster und die Näherin Agnes Bours[8].
Nach Sonorés Tod am 3. August 1868[9] erbten seine Tochter Maria und ihr Ehemann Hauptmann Rochlitz aus Karlsruhe das Anwesen, parzellierten und verkauften große Teile des Landbesitzes, die Gärten wurden vernachlässigt. Sie veräußerten das Landhaus bald an den Kölner Kaufmann David Emanuel, darunter auch die Grundstücke im Bereich der Römerstraße. Weitere große Flächen Ackerland wurden an den Weidener Clarenhofbesitzer Franz Schumacher verkauft. Emanuel behielt seine Ackerflächen in Weiden, gab aber Haus und Gärten bald wieder ab.
[1] Rougemont lehrte Anatomie in Paris und Brest. Er wurde 1790 von der französischen Société Royale de Medicine für sein Werk Über die erblichen Krankheiten ausgezeichnet und zu ihrem Correspondenten mit allen akademischen Rechten ernannt. Lempertz war im Jahr 1887 im Besitz des originalen Dokuments dieser Auszeichnung und nennt auch mehrere wissenschaftliche Veröffentlichungen Rougemonts.
2] Rougemont gehörte ebenso wie Maximilian Cassinone zu den 550 Notablen, den „Höchst-“ oder „Meistbesteuerten“, d.h. wohlhabendsten Bürgern des Roer - Departements, deren Namen 1804 oder 1805 (28 Ventose, an 11) von
der französischen Verwaltung erfasst und veröffentlicht wurden. HAStK Best. 350, Franz. Verwaltung 4632.
[3] Büttner, Richard: Die Säkularisation der Kölner geistlichen Institutionen. Köln 1971, S. 334.
[4] Zur Grabstätte Rougemonts s.: Abt, Josef u. Johannes Ralf Beines: Melaten. Kölner Gräber und Geschichte. Köln 1997, S.
213. (vgl. auch Anm. 11). Seine Bibliothek wurde 1857 von der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn erworben.
[5] Im Classifications-Protokoll
der Bürgermeisterei Lövenich von 1821 (einer Bestandsaufnahme der Kölner Bezirksregierung) wird es als eines von drei sogenannten Landsitzen, welche sich durch ihre Bauart den städtischen Häusern gleichstellen, noch über die erste von 10 abgestuften Hausklassen gezählt,
und daher außer der Klasse gesetzt. (Classifications-Protokoll – Grundgüter und Gebäude vom 12. April 1821. Abschrift im Verwaltungsbericht der Gemeinde Lövenich 1921, HAStK
Best. 866/45).
[6]Noch 1864 hatte ein Gärtner insgesamt 300 Obstbäume und Weinstöcke neu gepflanzt (Aus einem Brief einer Urenkelin von Heinrich Lempertz). Der kleine Garten hatte die Parzellennummer 278 auf der Urkatasterkarte.
[7] Die Beschreibung der Gärten erfolgte nach Lempertz 1887, s. unten Anm. 12.
[8] Agnes Bours war 56 Jahre alt. Beide werden ohne weitere Mitbewohner unter der Hausnummer Weiden Nr. 3 gezählt. Möglicherweise wohnte Agnes Bours in dem Ökonomiegebäude. Auf der Urkatasterkarte
von 1818 haben die Grundstücke die Parz. Nr. 311+310. Einwohnerzählungen der Gemeinde Lövenich sind von 1855 und 1864 bekannt. Urliste der sämmtlichen Civil-Einwohner vom 3. Januar 1855 im HAStK ACC 420. Das Landhaus hatte zuletzt die Hausnummer Aachener Str. 277 (heute wäre das
Nr. 1277), das 1960 abgebrochene Ökonomiegebäude hatte die Nr. 281 (heute Nr. 1281).
[9] Heinrich Sonoré wurde am 6. August 1868 auf dem Friedhof Melaten in der Familiengrabstätte Cassinone (A 77-81) beigesetzt. Vgl. Anm.6.
Heinrich Lempertz, Kunsthändler
Seit dem Frühjahr 1872 war das Landhaus im Besitz des Kölner Rentners Heinrich Lempertz sen., der sich gerade von seiner Firma (J. M. Heberle, später H. Lempertz´ Söhne) und der Arbeit als Buch- und Kunsthändler zurückgezogen hatte und nun während der Sommermonate aus Neigung und Gesundheitsrücksichten auf dem Lande leben wollte. Er richtete das Haus mit antiken Möbeln und Kunstsachen und Hunderten von älteren Gemälden ein und bewohnte das Haus über 15 Jahre hinweg ununterbrochen von Mai bis Oktober, genoss die Ruhe und ging hier seinen Studien und Sammlerneigungen nach. Kurz vor seinem Tode gab er den zur Belastung gewordenen doppelten Wohnsitz auf und bot das Anwesen zur Versteigerung an. Zu diesem Anlaß gab er ein 24-seitiges Büchlein mit einer Beschreibung des Hauses, Gutachten über die Gebäude und die Gärten (aus der auch die vorherige Gartenbeschreibung entnommen wurde) sowie Fotografien und Plänen heraus, dessen reichhaltige Informationen eine genauere Darstellung dieses untergegangenen Anwesen rechtfertigt[1].
Das zweigeschossige fünfachsige Wohnhaus mit einer eher geringen Grundfläche von ca. 92 m² besaß eine streng symmetrisch gestaltete Fassade mit deutlicher Betonung der Mitte: Über dem Eingang war das erwähnte Familienwappen angebracht, darüber ein Blumenbalkon, und der drei Achsen überspannende Dreiecksgiebel hatte ein ovales Fenster unter der Giebelspitze. Jeweils eine Gaube beidseitig neben den Giebeln (die Rückfront des Hauses war identisch gestaltet!) belichtete das Mansardgeschoss. Alle hohen Fenster hatten Klappläden, das Mansardwalmdach war mit Schiefer eingedeckt. Das Haus war nur teilweise unterkellert, die Geschoßhöhen maßen 3,60 bzw. 3,40m. Neben dem Entree mit Treppenhaus bildeten zwei Zimmer die Verbindung zu den seitlichen Anbauten, der Wohnbereich war zum Garten ausgerichtet. Der Gartensaal wurde von zwei Zimmern flankiert. Das Obergeschoss des Wohnhauses hatte die gleiche Raumaufteilung.
Der östlich gelegene Anbau enthielt zum einen die Küche mit Spülstein, Regenwasserpumpe und darunterliegenden Regenwassersarg und einen Obstdörrofen, zusätzlich aber auch die Remise und den Pferdestall mit einem Holztor zum Garten hin! Das Walmdach war verschiefert. Der westliche nicht unterkellerte Anbau diente als Gärtnerwohnung. Diese besaß einen separaten Eingang, um den Flur gruppierten sich vier Wohnräume. Das Satteldach war mit Pfannen gedeckt, was auf eine jüngere Bauzeit hinweist.
Nahe dem westlichen Anbau befand sich in der Baufluchtlinie das 35 m² große, zur Hälfte in die Erde eingegrabene, massive Treibhaus mit Glasdach von Heinrich Sonoré.
Vermutlich zeitgleich mit dem Haupthaus war das giebelständige, eingeschossige Ökonomiegebäude mit Mansarddach an der westlichen Grundstücksgrenze erbaut worden. Straßenwärts gab es in dem dreizonigen Haus zwei kleine Zimmer, das mittlere Drittel enthielt Backstube und Backofen, gartenwärts war die Remise mit Einfahrt. Die Erdgeschossräume waren 4,50 m hoch, das Dach größtenteils mit Pfannen gedeckt. Bis zum April 1885 wohnte in dem Haus der Gärtner H. Schneider.
Neben dem östlichen Anbau lag frei im Garten der Brunnen mit aufstehender Brunnenpumpe. Innerhalb des Gartens standen ein Viehstall und ein Schuppen, beide aus mit Ziegel ausgemauertem Fachwerk errichtet. Zu dem Stallgebäude gehörte ein großer tiefer Regensarg.
Das Grundstück war zur Aachener Straße (74 laufende Meter) und zum westlichen Nachbargarten mit einer 3 m hohen Mauer eingefriedet. Von diesem Nachbarn hatte Lempertz 1881 einen großen langen Streifen Gartenland erworben und dessen alte Stallungen beseitigt. Bereits vorhandene Pläne zu Neubauten hier wurden nicht verwirklicht. Im Bereich des Portals war der ansonsten unbefestigte Seitenstreifen der Aachener Straße mit kleinen Steinen gepflastert.
Lempertz wünschte sich für das Anwesen einen Käufer, der Haus und Gärten erhalten, allerdings eine angemessene Nutzung dafür finden sollte. Nach Lempertz eigener Aussage hatte er selbst zeitweise seine Gärten vernachlässigt. Der Gutachter für die Gärten, Dr. Emil Kalender aus Melaten, bescheinigte dem Anwesen einen für alle Gartenkulturen geeigneten Boden und stellte fest, dass die feinere Obstkultur mit größtem Erfolge betrieben werden kann. Die Obstbäume trugen reichlich, sodass ein Gärtner seine Familie durch die Bewirtschaftung der Gärten ernähren könne. Besonders empfiehlt er einem Käufer, die für das Weidener Klima ideale und Gewinn bringende, aber im Kölner Raum noch nicht sehr verbreitete Spargelkultur anzulegen. Das Haus empfahl er für eine bessere Gastwirtschaft oder als Wohnung für einen in der Gemeinde oft gewünschten und immer noch fehlenden Arzt, der mit seiner Praxis zugleich ein kleines Sanatorium besonders für Luft- und Stärkung der Nervenkraft Bedürftige verbinden könnte.
Der Kölner Notar F. A. Custodis schrieb die Versteigerung zum 1. September 1887 aus. Sie fand im Hause des Postagenten und Wirten Schneider in Lövenich, Brauweilerstraße 2 statt, sie verlief trotz des von Lempertz angekündigten günstigen Preises nicht befriedigend. Ein Kaufvertrag zwischen Lempertz und einem Heinrich Josef Wagner aus Grevenbroich vom 21. September 1888 wurde vom Landgericht Köln in einem Urteil am 27. November 1891 wieder aufgehoben.
[1] Lempertz, Heinrich sen.: Beschreibung des ehemaligen Rougemont-Sonoréschen Landhauses Nr. 3 in Weiden. Köln 1887. Das Wertgutachten mit der Beschreibung der Gebäude stammt vom Baumeister Wilhelm Mockel aus Köln, das Gutachten zu den Gärten von Dr. Emil Kalender aus Melaten.
Emil Schreiterer, Architekt
Lempertz´ Erben verkauften das Gebäude erst am 10. Mai 1899 an den Kölner Architekten Emil Schreiterer, der bis 1919 der Eigentümer und Bewohner des Anwesens blieb[1] und von hier aus zum Wegbereiter einer Entwicklung des alten Straßendorfs Weiden zu einem modernen Kölner Vorort wurde[2]. Im selben Jahr erhielt das Landhaus auch einen Anschluss an die Wasserleitung, die jetzt in der Gemeinde Lövenich flächendeckend vom Frechener Elektrizitäts- und Wasserwerk verlegt worden war und das Wohnen im Grünen nun auch für wohlhabende Städter interessant machte. Schreiterer renovierte das Gebäude zu seinem repräsentativen Wohnhaus, veränderte dazu den Grundriß und integrierte den rechten Anbau in das Wohnhaus. Ein Zeitgenosse beschrieb den Umbau so: Schreiterer schuf aus der vernachlässigten Ruine unter pietätvoller Erhaltung des Äußeren bei Aufwendung vieler Mittel ein schönes, prachtvolles Landhaus[3].
Zum Garten hin hatte er einen breiten, von Säulen getragenen Balkon mit Eisengeländer angebaut, eine Zutat von großer Schönheit und Zweckmäßigkeit. Sicherlich war er auch teilweise für die gehobene
Innenausstattung verantwortlich. Im Januar 1906 schließlich legte Schreiterer einen befestigten Bürgersteig vor seinem Haus an[4]. Etwa zur gleichen Zeit verkaufte er den kleineren Garten an der
gegenüberliegenden Straßenseite an den befreundeten Architekten Georg Eberlein, einen ausgewiesenen Kenner des deutschen Bauernhauses. Inmitten seines Gartens baute sich Eberlein ein
fränkisches Wohnhaus mit elterlicher Wohnstube und nutze es als gastlichen Treffpunkt für seine
Freunde.[5]
[1] Die Chronisten Obermanns und Clemens (1956, s. Anm. 2) nennen hierfür das Jahr 1889, diese Angabe ist demnach falsch. Am 24. März 1919 verkaufte Schreiterer das Haus an die Köln-Lindenthaler Immobiliengesellschaft.
[2] Das Kölner Architekturbüro Schreiterer & Below gehörte in dieser Zeit zu den bedeutendsten im Deutschen Reich und beschäftigte namhafte Architekten. Emil Schreiterer entdeckte an seinem neuen Wohnort bald die unbebaute Flur zwischen Aachener Straße und Bahnstraße nahe dem Bahnhof als idealen Standort zur Anlage einer modernen Gartenstadt für den Kölner Mittelstand, der Colonie Kleiner Landhäuser.
Er war Mitglied des Gemeinderats, initiierte dort 1907 die Verlegung von Elektrizität in der Gemeinde und 1912 die Verlängerung der Straßenbahn Köln - Müngersdorf bis nach Weiden, und er war für den Bürgermeister bauberatend tätig.
Zur Schreiterers Wirken in Weiden und zur Weidener Gartenstadt s.: Die Colonie Kleiner Landhäuser – eine Gartenstadt in Köln - Weiden in: Pulheimer Beiträge zur Geschichte, Band 27, Pulheim 2003: S. 106 – 141 und Griep, Uwe 2003 S. 89 ff und S. 245 ff. (s. Anm. 1)
[3] Dieses und das folgende Zitat aus dem Aufsatz von Laurenz Lang, s. Anm 2.
[4] HAStK Best. 866 Nr. 66, Antrag Nr. 267 vom 20.1.1906, Emil Schreiterer, Baumeister, beantragte einen 34,75 m langen und 0,50 m bzw. 2,25 m breiten Fußsteig beginnend bei km 9,0+49,45 m links.
[5] Das Haus ist nicht mehr vorhanden (heute: Aachener Str. 1240). Abbildung und Beschreibung des Hauses Eberlein in: Griep, Uwe 2003, S. 296 (s. Anm. 1).


Victor Rolff, Bergwerksbesitzer
Am 14.10.1920 kam das Landhaus in den Besitz des Frechener Bergwerkbesitzers Victor Rolff, der zuvor schon den Uesdorfer Engelshof und den Lövenicher Gutshof Haus Közal von der Erben Zaun gekauft hatte. Rolff legte das verbliebene Gartenland mit dem Garten des ebenfalls von ihm erworbenen Nachbargehöfts Reiff und des rückwärtigen, bis zur Ostlandstraße reichenden Grundstücks zu seinem neuen Park zusammen, in dem er sich wenige Jahre später von den Architekten Schreiterer & Below seine herrschaftliche Villa Zur Wieden bauen ließ (1922-25)[1].
Das alte Landhaus überließ Rolff dem seit 1920 amtierenden Bürgermeister Otto Klein zur Wohnung, bis dieser dort im März 1933 nach massiven nächtlichen Übergriffen von SS und SA unter ungeklärten Umständen zu Tode kam. Ob er ermordet wurde oder sich das Leben nahm, ist bis heute nicht aufgeklärt.[2] Seine Witwe wohnte noch einige Jahre in dem Haus, 1934 war hier auch die Rolff´sche Verwaltung GmbH. Seit 1920 war in einem seitlichen Anbau auf dem Gelände der heutigen Berliner Straße für einige Jahre die Gemeindekasse untergebracht. Das Büro Schreiterer & Below ergänzte nach Westen hin im Jahr 1925 einen weiteren Anbau, der als Badezimmer für den Chauffeur diente[3].
Auch für das Ökonomiegebäude plante Victor Rolff mehrere Baumaßnahmen, die nicht alle ausgeführt wurden. 1931 wurde das Haus zu einen Pferdestall mit Wohnung ausgebaut (Architekt: Conrad Müller), 1934 rückwärtig eine Garage angebaut. Ein Neubau des Hauses zur Chauffeurs- und Kutscherwohnung im Jahre 1929 durch den Architekten Gottfried Schreiterer kam nicht zur Ausführung.
1937 sollte der gesamte Park Rolff unter Naturschutz gestellt werden[4]. Im Januar 1938 berichtete eine Tagezeitung von Umbau- und Putzarbeiten am lange leer stehenden Landhaus, rein äußerlich fallen die Steinumkleidungen der Fenster und des Eingangs auf, die neu behauen wurden. Das alte Wappen der Familie Feld-Hamm über der Tür tritt durch die Erneuerung jetzt besser in Erscheinung[5].
[1] Baugeschichte und Fotos zur Villa von Victor Rolff in: Griep, Uwe 2003, S. 272-275: Kapitel Weiden, Straßenkatalog Aachener Straße (1)273-(1)275, vgl. Anm. 1
[2] Im Jahrbuch des Vereins für Geschichte Pulheim 2003 beschäftigt sich Joseph Wißkirchen ausführlich mit Quellen zu der Nacht, in der Bürgermeister Otto Klein im Landhaus ums Leben kam. Er vermutet einen Selbstmord Kleins, schließt aber ein Gewaltverbrechen nicht aus.
[3] S. Knoche erwähnt den Bauantrag vom August 1925, s. Anm. 23.
[4] Der Park Rolff galt als ein zu schützender Landschaftsteil der neuen Naturschutzkarte des Kreisvermessungsamts des Landkreises Köln. Bericht einer unbekannten Tageszeitung vom 30. Dezember 1937.
[5] Bericht in einer unbekannten Tageszeitung vom 20. Januar 1938.
Deutsche Krankenversicherung DKV
Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Haus der britischen Besatzungsarmee und später der belgischen Militärpolizei als Quartier. 1960 begann die Deutsche Krankenversicherung DKV in dem von den Erben Rolff erstandenen Park mit dem Bau der ersten Weidener Hochhäuser. Victor Rolffs Villa wurde abgebrochen und der Großteil des alten Baumbestandes beseitigt, das Landhaus stand nun meistens leer und wurde zu einer Randerscheinung aus einer vergangenen Zeit. Auf dem Gartengrundstück wurde die Berliner Straße angelegt, weil das Landhaus einem geraden Straßenverlauf im Wege stand erhielt die neue Straße ihren Knick. Gleichzeitig wurden die neueren Anbauten und das alte Ökonomiegebäude niedergelegt. Wie seine Nachbarhäuser, sechs alte Wohnhäuser bis zur Schulstraße und das großartige Backsteingehöft des Clarenhofs, mußte das denkmalgeschützte Landhaus einige Jahre später schließlich gegen der Willen vieler Bürger und des Gemeindedirektors dem Ausbau der Aachener Straße weichen.
Ein sehr nüchtern und sachlich formulierter Bericht aus dem Jahr 1970 beschreibt im Detail den damaligen Zustand des Hauses, aus dem auch einige Umbauten von Emil Schreiterer vom Anfang des Jahrhunderts hervorgehen[1].
Erhalten waren das Haupthaus und die älteren seitlichen Anbauten, die weiteren in diesem Jahrhundert entstandenen Anbauten waren bereits zum Bau der Berliner Straße beseitigt. Das Gesamtanwesen befand sich in einem sehr vernachlässigten Zustand, mit Ausnahme der reicheren Räume des rechten Anbaues.
Die Putzfassade war in graugelblichem Ton gestrichen. Die Portalstufen aus Beton waren mit Zementstrich überzogen, rechts und links standen Prellsteine aus graugrünem Sandstein in angedeutetem Schneckenmotiv.
Das zweiflügelige Portal aus glatter Eiche zeigte aufgesetzte Blattgirlanden mit seitlichen Troddeln, im oberen Bereich ein Perlmotiv. Es wurde mit einem großem Rundknopf geöffnet, der auf einem rautenförmigen Messingschild aufgeschraubt war. Über dem Oberlicht in Holzsprossen befand sich noch der erwähnte Wappenstein der Familien von Feld-Hamm.
Fenster und Türen, auch an der Rückseite, hatten umlaufende, graue scharrierte Sandsteingewände, 18 cm breit und 2 cm vorstehend.
Die Fenster waren hochrechteckig, vierflügelig mit (im oberen Flügel eine, unten zwei) Quersprossen. Sie bestanden aus Kiefern- und Eichenholz und bewahrten Beschläge in Eisen und Messing aus verschiedenen Epochen. Alle Fenster hatten einst Schlagläden, deren noch vorhandene Eisendollen in die Sandsteingewände verbleit eingelassen waren. Die Erdgeschossfenster waren mit sechs senkrechten Rundstabeisen sowie fünf waagerechten Flachstäben vergittert.
Das Mansardwalmdach war mit Schiefer eingedeckt und hatte Gehrungen, Rinnen und Fallrohre aus Zink.
Das Haupthaus war nicht unterkellert (im Gegensatz zur Angabe von Lempertz!). Die Keller der beiden Anbauten waren aus Feldbrandziegeln gemauert und gekalkt. Die Decke des linken Kellers war ein Tonnengewölbe aus Feldbrandziegeln, durch einen Mauerpfeiler abgefangen. Auch der Boden war mit Ziegelsteinen ausgelegt. Dieser einteilige Keller war offensichtlich der Küche zugeordnet, an Decke und Wand waren Fleischhaken eingelassen. Die Treppe war eine Stahlkonstruktion mit Riffelblechauftritten.
Der rechte Keller hatte Betondecke und -boden, war durch Ziegelwände in drei Räume ohne Türen aufgeteilt und besaß eine Fichte- /Tannentreppe mit Holzlauf.
In einer von der DKV im Jahre 1961 aufgenommenen Grundrißzeichnung sind, einschließlich Dachgeschoss, 35 Räume eingetragen mit annähernd 400 m² Nutzfläche. Im Erdgeschoß befanden sich die Küche und deren Nebenräume (linker Anbau) und die zum Teil reich ausgestatteten Wohnzimmer, vor allem im rechten Anbau. Das Obergeschoß enthielt u.a. drei Bäder.
Die Böden bestanden durchweg aus Holz, mit Ausnahme von Treppenhaus und seinen Nebenräumen sowie dem Wintergarten. Sie waren mit mehrfarbigen Fliesen motivisch gestaltet.
Das Treppenhaus im Erdgeschoss wird uns ausführlich beschrieben. Der Boden besteht aus Fliesen 15 x 15 und war wie folgt gestaltet: ein umlaufender Rahmen in braunen Platten, dann folgt ein umlaufendes Band aus gekreuzten Schleifen in gelbbrauner Farbe. Das Innenfeld ergibt aus je vier mehrfarbigen Platten ein in sich geschlossenes gleichbleibendes Bild aus Eckkreisen und größeren Mittelkreisen, die durch Diagonale verbunden sind und angedeutete Blattornamente tragen. Unter den beiden Fenstern des Treppenhauses neben dem Hauptportal waren Brüstungsspiegel aus Fliesen. Die 15 x 15 cm großen Wandfliesen sind mit blauen, weißen, grünen und gelben Blumen- und Blattornamenten verziert. Jede Fliese stellt ein in sich gleichbleibendes Muster dar.
Bei dem Geländer der Haupttreppe handelte es sich um ein Doppelgeländer. Ein Handlauf war fest auf der Treppenhauswand befestigt und zeigte an der Antrittsstufe, in Eiche geschnitzt, Kreuzblumen, die diagonal durch vorstehende Bänder verbunden waren. Der eigentliche Handlauf war braun, der Pfosten weiß lackiert, das Treppengeländer war in gleicher Weise lackiert.
Im 40 m² großen Salon zwischen Treppenhaus und Wintergarten war ein aus Klinkern gemauerter und außenseitig tapezierter offener Kamin.
Fußleisten und Fensterbänke aller Räume waren aus Holz, in den Brüstungsnischen waren Rippenheizkörper der Koksheizung installiert.
Die Wände trugen tapezierten Kalkputz, auch die Balkendecken mit unterseitiger Verlattung, Lehmschlag und Heuzusätzen waren mit Kalkputz überzogen. In einigen Räumen fanden sich Hohlkehlen, Heraklithdecken und profilierte Holzleisten als obere Tapetenabschlüsse.
Die Türen waren glatt, allerdings enthielten die Räume des rechten Anbaus schön erhaltene Eichentüren in der Profilierung der Außentür.
In dem großen, braun gefliesten Zimmer (Steinzeugfliesen, 25 x 25) des rechten Anbaus stand ein offener Kamin, der halbhoch mit graubraunem poliertem Marmor verkleidet war und dessen Rauchabzug mit einer Metallplatte mit aufgesetzten Kunstschmiedearbeiten versehen war (stilisierte Rosenranken mit einer Blüte bronciert). Der Boden eines Badezimmers im Obergeschoß war mit Solnhofener Platten ausgelegt, die Badewanne mit weißem Marmor eingefasst.
Die von Schreiterer angebaute Säulenveranda war zu einem 17m² großen Wintergarten geschlossen worden. Er bestand aus
einer Stahlkonstruktion, die oben mit Zink abgedeckt und mit einem Bretterbelag versehen war.
Der rechte Anbau hatte zwei hochrechteckige Holzfenster mit umlaufenden grauen Sandsteingewänden und war ehemals mit Schlagläden ausgestattet wie das Haupthaus. In der Korbbogennische war ein kleineres Fenster, darüber ein Ochsenauge und im Korbbogen ein behauener Schlussstein.
Der ältere linke Anbau war nahezu identisch, jedoch außen wie innen sparsamer gestaltet. Die Gewände waren nur farblich angedeutet, Ochsenauge und der Schlussstein im gedrückten Korbbogen fehlen.
Der engagierte Einsatz des Lövenicher Gemeindedirektors, einer Gruppe Königsdorfer und Weidener Künstler (der Landhaus Gruppe) und das Engagement der Weidener Bürger zum Erhalt des Hauses blieben gegen die Entscheidung des Landschaftsverbands Rheinland ohne Erfolg. Auf Initiative des Landeskonservators sollten einige erhaltenswerte Teile des Gebäudes vor dem Abbruch fachgerecht ausgebaut und sichergestellt werden, um in der Gemeinde zu verbleiben und der Öffentlichkeit zugänglich zu sein, eventuell durch den Einbau in einen öffentlichen Neubau. Dabei handelte es sich um
1. das gesamte Hauptportal einschließlich Steingewände und Gesims mit Wappenstein, jedoch ohne Stufen und Prellsteine;
2. die gartenseitige Eingangstür im Anbau rechts;
3. drei Eiche-Innentüren des rechten Anbaus;
4. die beiden Schlußsteine der Korbbögen straßenseitig und gartenseitig im Anbau rechts;
5. die Kacheln der beiden Fensterbrüstungen im Erdgeschoß des Haupttreppenhauses
6. die beiden Treppengeländeranfänger der Haupttreppe mit einigen Segmenten der geschnitzten Treppenbalustrade;
7. einige Delfter Kacheln (4 verschiedene Motive) aus den ehemaligen Wirtschaftsräumen im Anbau links.
Weil die Abbruchfirma diese Arbeiten aber nicht sachgemäß ausgeführt hatte, wurden die Abbrucharbeiten bis zur Bergung jener Teile eingestellt. Hinzu kamen unerwartete Schwierigkeiten. Einige Objekte ließen sich nicht so leicht entfernen wie man sich das vorgestellt hatte:
zu 5: Die Kacheln ließen sich nicht einzeln vom Mörtelbett lösen und sollten deshalb mit dem gesamten Brüstungsmauerwerk gewonnen werden;
zu 7: Auch diese Kacheln ließen sich nicht lösen. Jede einzelne zu gewinnende Kachel sollte daher rundherum mit einer Trennscheibe im Bereich der angrenzenden weißen Kacheln bis auf das Mauerwerk eingeschnitten und dann mit dem Mörtelbett gewonnen werden;
zu 6: Die Seitenteile der Treppe sollten entgegen der ursprünglichen Festlegung bis Mitte Obergeschoss gewonnen werden;
Ein Aktenvermerk belegt das Eintreffen von Wappenstein, Schlusssteinen der Korbbögen sowie der Portalumrahmung auf dem Bauhof der Gemeinde Lövenich. Die Treppe war vorübergehend dort gelagert, bis sie bald darauf unter mysteriösen Umständen wieder verschwunden war. Auch der Verbleib der restlichen zu sichernden Teile oder auch eine mögliche Zerstörung einzelner Teile durch die Abbruchfirma ist nicht bekannt.
Am 16. August 1973 war das Rougemont-Sonorésche Landhaus bis Erdgleiche abgetragen worden.
[1] Die folgende Beschreibung basiert auf den zahlreichen genauen Angaben von Herrn S. Knoche vom damaligen Lövenicher Hochbauamt nach seiner Begehung im Mai 1970, dessen Skizzen sowie einem Grundrissplan der DKV aus dem Jahr 1961. Kopien von Knoches Bericht, weitere hier erwähnte Quellen und der Schriftverkehr zum Abbruch des Hauses befinden sich in einer Bauakte im Archiv des Stadtkonservators Köln.
Offene Fragen
So trägt nun der Historiker mit seinem wissenschaftlichen Elan alle verfügbaren Informationen zu einem Bauwerk zusammen, das vor mehr als zwei Jahrhunderten errichtet wurde und seit über 40 Jahren nicht mehr vorhanden ist, und bleibt doch schuldig, was jede schöne Kurzgeschichte besser kann: einen spannenden Anfang und ein starkes Ende.
Stattdessen mutet er dem Leser ungeklärte Fragen zu. Weder wissen wir etwas über die Anfangszeit des Landhauses, noch sind irgendwelche verbliebenen Überreste bekannt.
Wer war der wohlhabende Bauherr, der sich ein luxuriöses Landhaus neun Kilometer außerhalb der Stadt Köln in einem unscheinbaren Straßendorf errichtete? Aus wessen Besitz stammte das große Grundstück?
Wie und wann kam Joseph Claude Rougemont in den Besitz des Hauses? Nach dem Tod von Senator Hamm, als er in Bonn beschäftigt war? Oder nach dem Tod des anderen möglichen Bauherrn, Tilmann Hamm, gleich nach seiner Übersiedlung nach Köln?
Was macht das Straßendorf Weiden mit seinen 13 Häusern zum Hauptort des Canton de Weyden, wenn nicht der Sitz der Verwaltung? Ein anderes Gebäude als das Landhaus kam in Weiden hierfür nicht in Frage. Hatte sich noch der Vorbesitzer mit den Franzosen arrangiert? Gehörte Rougemont zu jenen auserwählten Notablen (Höchstbesteuerten), die in die neue Verwaltungsstruktur eingebunden waren? Oder hat er als Franzose den neuen Machthabern seinen Landsitz zur Verfügung gestellt? Sicherlich hatte Rougemont das Haus vor 1810 erworben, als er zusätzliche Ländereien auf Weidener Gebiet ersteigert hatte. Sicher ist auch, dass das Haus selbst nicht aus ehemaligem geistlichen Besitz stammte, der später säkularisiert wurde.
Noch weniger dürften die Fragen zum Verbleib der zu sichernden Bauteile des zum Abbruch freigegebenen Hauses zu klären sein.
Was bleibt, sind Berichte, Akten, Abbildungen, Erinnerungen: ein dokumentierter Blick in einen Ausschnitt der Vergangenheit. Und eine kleine Überraschung: wie gut das Weidener Klima schon vor 150 Jahren für den Anbau von Aprikosen, Pfirsichen und Wein geeignet war. Antworten auf die eine oder andere Frage würden die Geschichte abrunden.
Bliebe noch die Überarbeitung der nächsten Version zur Kurzgeschichte mit einem spannenden Anfang und einem starken Ende…
Quellen und Literatur sind in den betreffenden Fußnoten angegeben.
Kursiv gesetzt sind Zitate und im Original wiedergegebene Schreibweisen aus angegebenen Quellen oder Literatur.
HAStK: Historisches Archiv der Stadt Köln
Das Rouegemont-Sonorésche Landhaus links, im weiteren Verlauf im Hintergrund der große Backsteinbau war das Wohnhaus des einstigen Clarenhofs an der Ecke zur Schulstraße.
Rechts der mehrere jahrhundertalte Erkelenzhof mit jüngeren Backsteinanbauten.
Foto: um 1930, Ludwig Baur, Privatbesitz