Quellen

 

Liebe Leser,

 

schön dass ihr noch lest!

Immer wieder mal überlege und schaue ich, auf welchen Wegen Geschichte kurzweilig , mitunter vielleicht sogar spannend weitergegeben werden kann. Möglicherweise sollte ich mich bei Youtube präsentieren, einen Podcast einführen... leider fürchte ich dass genau jene Generation, die darin so fit und erfolgreich ist, sich für meine Themen nicht unbedingt interessieren wird. Meine Wege neben dem Publizieren sind bislang Stadtspaziergänge (Führungen sagt man dazu auch... ) und eben diese Website. Eher kurz, viele Bilder, vielfältige Themen. Meine Sammlungen und Kellerkisten durchforsten, um neue kleine Themen zu finden. Neue Infos gibt es auch, aber immer seltener, vieles ist gefunden. Ein solcher Fund ist auch Anlass für meine heutigen Worte, das Album Benninghoven.

Natürlich ist mein ganzes Wissen und das heutige Wissen über unser Thema insgesamt abhängig von den vorhandenen und den gesichteten Quellen, von der methodischen Tiefe und Genauigkeit ihrer Erforschung. Vorher wollen sie gefunden werden, manchmal braucht es überhaupt das Wissen, dass da etwas vorhanden oder zu finden ist.

Dann den Freiraum und die Zeit um alles sichten, ausarbeiten und bewerten zu können, und es dann in Vorhandenes einzubauen. Die Quellen haben über die Jahre meine Arbeit geprägt. die gelernten und selbst entwickelten Methoden, mit denen ich sie ausgewertet habe. Erst nach langem Ausarbeiten, Ordnen, Themen finden stellt sich die Frage, wie ich mein Wissen weitergebe, schriftlich oder erzählend, in Fachausdrücken oder verständlich für die Nachbarn. Leider (?) bin auch ich nicht mit Social Media aufgewachsen und suchte mir vielfältig meine Wege in vorhandenen Räumen, in Publikationen, öffentlichen und privaten Spaziergängen oder solchen für Denkmalpfleger und Architekten,  auch im Rahmen der VHS, wo ich auch wenig besuchte aber mit viel Engagement abgelaufene Geschichtswerkstätten hatte, und nun eben diese Website.

So wie die Quellen das Futter für das aufzuarbeitende Wissen sind, so bestimmen sie auch ein Stück weit die Möglichkeiten der Darstellung.  Mit tragbarem Beamer oder historischen lebensgroßen 3D-Animationen vor Ort bin ich nicht geschult... bleiben vorerst Worte und Bilder.

 

Und die Quellen sind die Basis für alles. Ich sollte sie darstellen um meine Angaben hier transparenter zu zeigen, und die Reihenfolge und die Umstände meiner Entdeckungen sind schon recht  individuell:

 

Die 1956 erschienene Chronik der Gemeinde Lövenich von  Jakob Obermanns und Hans Clemens: obwohl sie als Büchlein durchaus eine Auswertung von Quellen sein sollte, zähle ich sie auf Grund ihres Alters, ihrer zeitgemäßen nichtmethodischen Erforschung im Stil der 1950er Jahre und ihrer antiquarischen Seltenheit schon dazu,

 

die Hausbauakten der Gemeinde Lövenich, einzigartig im heutigen Köln, weil sie den Krieg in Weiden überlebt hatten und nicht wie alle städtischen Hausbauakten im Archiv ausgebrannt waren, (doch nicht so ganz einzigartig, für die noch nicht ausgewerteten historischen Akten der einstigen Gemeinde Rondorf gilt dasselbe), 

 

die großen Aktensammlungen zur Gemeinde Lövenich in den Historischen Archiven der Stadt Köln und des Rhein-Erftkreises in Bergheim,

 

Sammlungen privater Heimatforscher, hier das Album Benninghoven,

 

Fotosammlungen des Stadtkonservators Köln und des Rheinischen Bildarchivs in Köln,

 

viele private Fotoalben und Einzelbilder, besonders das kommentierte Fotoalbum des früheren Gemeindebaumeisters Ludwig Baur, ich nenne es Album Baur ,

 

historische Postkarten, von denen immer noch ab und an nicht veröffentlichte Motive in Sammlerportalen auftauchen,

 

das einzigartige unvorstellbare Wissen meines viel zu früh verstorbenen hochgeschätzten Kollegen, des Kölner Architekturhistorikers Dr. Wolfram Hagspiel, über die Kölner Architektur und insbesondere über die Kölner Architekten, und sein privates Archiv,

 

und natürlich all die mündlichen Erzählungen der immer weniger werdenden Zeitzeugen, die es verantwortlich zu übernehmen und zu nutzen gilt.

 

Das ist schon eine ganze Menge.

 

Meine Familie gehörte nicht zu den eingesessenen Weidenern. Meine jungen Eltern waren vor dem Mauerbau aus der protestantischen DDR irgendwie nach Weiden gelangt. Geboren in der Bahnstraße, evangelisch getauft, aufgewachsen in der Schulstraße, besuchten meine Geschwister und ich die damals recht neue evangelische Volksschule an der Breslauer Straße und natürlich die Singschule von Klaus und Waltraud Linkenbach... wir gehörten zur kleinen aber sehr eifrigen evangelischen Minderheit in der Gemeinde, Kontakt zu gleichaltrigen katholischen Einheimischen gab es kaum. Und Weidener waren in der Regel katholisch und sehr mit ihrer Kirche verbunden. Die Konfessionen trennten vieles. Für mich ist das bis heute ein Thema, weil ich ihre historischen Geschichten nicht kannte und viele und vieles erst viel später kennenlernen musste und durfte. 

Eine glückliche Ausnahme war eine immer freundliche Dame aus einer lange in Weiden und der katholischen Kirche verwurzelten Familie, die mich von klein auf kannte. Sie hatte mir in den 1990er Jahren angeboten, ein altes Album durchzuschauen das sie verwahrte, was aber niemand wissen sollte (dasselbe haben mir später auch andere Interessierte erzählt...).

Dieses zweibändige Album war für mich die Sensation schlechthin. Ein früher Bewohner der Weidener Villenkolonie schrieb eine Chronik der Gemeinde Lövenich über mehrere Jahrzehnte, von 1909 bis 1934 und Nachträge bis in die Kriegszeit. Zeitungsartikel, Postkarten und Fotos... hieraus stammen auch jene Bilder in der Chronik von 1956, zu denen es keine Angaben gibt und die nie wieder irgendwo zu sehen waren. Ich hatte damals vieles aus dem Album reproduziert, in der völlig analogen Zeit. Professionelle Kamera und bestes Filmmaterial hatte ich, ja, aber das Fotografieren mit Filmen und die Auswahl der zu vergrößernden Negative ließ natürlich nur eine Auswahl an Motiven zu, die ich dokumentiert mitnehmen konnte. Vieles konnte ich in meiner Publikation veröffentlichen, es war abgesprochen, die Herkunft nicht anzugeben. Dort steht also: Foto oder Postkarte, Privatbesitz.

Nun, nach mehr als zwanzig Jahren, fand der Weidener Ortshistoriker Henry Faust die Nachfahren und Erben dieses Albums. Er hatte die Möglichkeit, es sich auszuleihen und überließ es mir freundlicherweise für einige Wochen. Wieder sind es ganz besondere Momente. Die digitalen Möglichkeiten erlauben es natürlich jetzt, jede Seite mehrfach zu reproduzieren, ich habe es sehr genutzt. Tatsächlich war das technische Niveau meiner alten Kamera sichtbar um Klassen besser gewesen als mein digitaler Durchschnitt jetzt!

Aber ich kann das Album jetzt vollständig nutzen.

Ich will es hier beschreiben, dafür richte ich den Punkt "Quellen" ein, das Album soll das erste Thema werden. Erstellt wurde es von Richard Benninghoven, ich nenne es daher kurz Album Benninghoven.

 

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